Samstag, 22. Dezember 2012

Ein frohes Weihnachtsfest und guten Rutsch ins Jahr 2013!

So neigt sich das Jahr 2012 dem Ende zu ... aber ich bin froh, dass das Ende meines Freiwilligendienstes noch lange nicht in Sicht ist und ich hier auch im nächsten Jahr hoffentlich eine wunderschöne Zeit erleben werde. Rückblickend auf die vielen Ereignisse, ist auf jeden Fall zu sagen, dass es das bisher spanndendste Jahr meines Lebens ist! Nun sind auch schon drei Monate in Japan vergangen, die einem dennoch recht kurz vorkommen. Die etwas schwierige Eingewöhnungszeit in Hiroshima habe ich gut überstehen können und nun fühle ich mich pudelwohl hier. Ich habe die Stadt und Freunde in mein Herz schließen können. Zwar hat es auch unangenehme und schwierige Situationen gegeben, doch ich habe daraus lernen können :=). Mein schwarzer Riesenkoffer für den Ausflug nach Südkorea ist bereits gepackt und morgen Vormittag werde ich mich auf den Weg nach Busan machen. Allerdings mache ich mir etwas Sorgen, dass ich auf der Fähre seekrank werde (Hach, ich habe es nicht so mit Transportmitteln ^^"). Vor einigen Tagen habe ich außerdem von meiner Okaa-san Informationen über meine koreanische Gastfamilie bekommen. Für eine Woche werde ich bei einer vierköpfigen Familie leben, deren Kinder in meinem Alter sind. Sie leben in Seochu-gu (Seoul), einem Stadtteil, welcher benachbart von Gangnam ist. Ich freue mich sehr darauf und bin gespannt, was mich erwarten wird. In Seoul werde ich auch einen anderen Freiwilligen aus Deutschland treffen.

Mein Bericht über Essar Gabriel
(Bild: Eigentum der Chugoku Shimbun)
Übrigens ist am Donnerstag mein erster Bericht in der Abendausgabe der Chugoku Shimbun erschienen *Freudensprünge mach*. Bevor ich es vergesse hat gestern die Weihnachtsfeier im Kindergarten stattgefunden und es ist wirklich sehr lustig gewesen. Ich habe mich als Santas Frau (mit einem niedlichen Kleidchen aus dem 100 Yen-Laden) verkleidet und den Kindern und ErzieherInnen selbstgebastelte Geschenke gegeben.

  


Anschließend widme ich die letzten Zeilen den Menschen, die mich so sehr unterstützt haben und auch in Hiroshima nach meinem Wohlbefinden fragen. Es macht mir eine unglaubliche Freude, die Erlebnisse zu teilen und auch zu erfahren, was in der Heimat und andernorts so vor sich geht. Bleibt gesund, vor allem esst nicht so viel Ungesundes über Weihnachten ;), und wir hören uns dann im Neuen Jahr!

"メーリークリスマスしお正月おめでとう"
Eure Phuong

Sonntag, 16. Dezember 2012

Bis zum nächsten Mal, Khew-chan! ;)

Hallo ihr Lieben!

Schon wieder ist die Woche viel zu schnell vergangen und zudem hat uns Khew-chan heute verlassen, um wieder nach Singapur zurückzufliegen. Die Zeit mit ihr habe ich wirklich sehr genossen! Wir sind uns in so vielen Sachen ähnlich und teilen unglaublich viele Interessen und Vorlieben ("Imokempi"). Meine Gasteltern meinen auch, dass wir Zwillinge sein könnten :D. Es ist merkwürdig, dass das Haus nun wieder leer ist...

"Imokempi - Wir lieben es!"
Den letzten gemeinsamen, leider verregneten Tag (am Samstag) verbrachten wir mit der Herstellung von Soba (einer Nudelart) und hauptsächlich mit der Tätigkeit zu futtern. Mit der lieben Tina-san, Mori-san und Akaringo-chan fuhren Khew-chan und ich in eine nahegelegende Stadt, wo wir um 14 Uhr einen Sobakurs belegten. Ein freundlicher Sensei hatte uns in sehr detaillierten Schritten erklärt, wie man den Teig zu mischen und zu formen hatte. Mit einem langen und dünnen Teigroller wurde der Teig hauchdünn gerollt und anschließend mit einem scharfen Messer in dünne Nudelstreifen geschnitten. Einige Schritte waren schon etwas kniffelig, doch am Ende war das Resultat überraschend bei allen gut hihi :) Die Autofahrt war daraufhin so unterhaltsam und spaßig, denn Khew-chan, Akaringo-chan und ich machten lauter Faxen. Wieder zu Hause angekommen, bereiteten wir Soba im heißem Wasser zu und aßen es gemeinsam mit einer Sojasoße und koreanischem Nori. Es war unglaublich köstlich, viiiel besser als die gekauften Nudeln aus dem Supermarkt (ist ja schließlich auch selbstgemacht!) :D Wir schlugen alle mächtig zu, was ein fataler Fehler war, wie sich im Nachhinein herausstellte. Mit vollem Magen ging es danach zu dem Hipposeminar von Sugar-san, wo ich noch andere Studenten aus Singapur kennenlernen konnte. Bei einigen war ich mir ziemlich sicher, dass wir niemals Freunde werden, aber man sieht sich eh nicht wieder ;) Jede Person stelllte sich wieder vor und nach zweieinhalb Stunden rief Okaa-san zu uns, dass wir schnell unsere Sachen nehmen und abhauen sollten, denn sie und Otou-san wollten noch ins Kaiten-Sushi. Bei Khew-chan und mir war die Angst wirklich im Gesicht geschrieben, denn unsere Mägen waren zu dem Zeitpunkt noch pickepackevoll von Soba. Da es jedoch der letzte Tag für Khew-chan und sie noch nie Sushiessen war, liefen wir geschwind in Richtung Auto. Tina-san und Akaringo-chan folgten uns, da das Hipposeminar anscheinend auch sehr anstrengend für die beiden war ;). Angekommen im Sushirestaurant war ich von der Größe so überwältigt! In dem Raum hätten ungefähr 100 Menschen Platz gehabt und überall sah ich die kleinen Sushiteller! Auch meine geliebten Maismakirollen gab es, doch von ihnen schaffte ich nur einen Teller. Ich hatte mich so geärgert, dass ich von den Nudeln so viel gegessen hatte! Insgesamt aßen wir alle nicht viel (ca. 20 Teller) und fuhren um 22 Uhr zurück nach Hause. Mir ging es später an dem Abend schlecht und ich hatte Bauchschmerzen vom ganzen Gefuttere. Auch heute Morgen fühlte ich mich nicht besonders. Morgen soll es sogar ins All-you-can-Restaurant gehen >_<. Es findet nämlich ein "Bonenkai" mit den Hippofollowern statt. Eine Feier am Jahresende, wo viele Japaner negative Erlebnisse und Sorgen oder auch den stressigen Arbeitsalltag im alten Jahr vergessen und positiv auf das Neue Jahr mit reichlichem Alkoholkonsum sehen möchten. Ich glaube, ich lasse mir schon einmal ein Grab vorschaufeln. Ob es Tod durch zu viel Essen gibt? haha :D  

Fleißig am Rollen
Die Streifen waren eher dick als dünn ;)
Kaiten-Sushi :D

Viele liebe Grüße und einen schönen 3. Advent wünsche ich euch!
Eure Phu 

(und ich glaube, ich habe in den letzten Tagen etwas zugenommen, was auch kein Wunder ist haha :D)

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Ereignisreiche Tage

Da bin ich wieder!

tiefhängende Wolken über Hiroshima
Hach, wie die Zeit schon wieder rennt. Letzte Woche ist der Winter mehr oder weniger auch in Hiroshima eingebrochen und hat uns die Tage mit tiefhängenden Wolken und Schneeflöckchen versüßt. Klingt schön, doch die nächtlichen Temperaturen (2°C) machen mir echt zu schaffen, da die Fenster und Wände von meinem Haus nicht isoliert sind. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass ich schon seit drei Wochen eine Erkältung mit mir rumschleppe und sie zu Hause auch nicht auskurieren kann. Eine Zentralheizung wie in Deutschland gibt es in den meisten Häusern nicht. Um Energie zu sparen, heizen viele mit Ölheizung, Wärmedecken oder sogenannten "Kotatsus" (beheizte Tische). Die Beine werden damit angenehm warm gehalten, indem eine Decke, über einen Tisch gespannt, die Wärme im Inneren isoliert. Doch ich finde es so schrecklich, dann aufstehen zu müssen, wenn ich aus dem Nachbarraum, der natürlich eiskalt ist, etwas besorgen muss. Auch sehr bizarr finde ich es,  morgens aufzuwachen und meinen Atem zu sehen. Duschen ist im Moment das Allerschlimmste für mich! :D 
Nun kommt ein Überblick, was in den letzten Tagen so alles passiert ist:
  
Ausflug mit Otou-san zu seiner Geburtsstadt (06.12.)

Spontan fuhr mich mein Gastvater am Donnerstag zu seinem alten Familienhaus, um mir einige Sachen zu zeigen. Seit ungefähr 25 Jahren war das Haus verlassen und glich dementsprechend einer Ruine. Ich war von der Größe und der Bauweise völlig fasziniert, denn es setzte sich aus zwei Teilen zusammen, welche mit einer Brücke verbunden waren und das Haus bestand aus massiven Holz. Otou-san erzählte mir, dass unter der Brücke eine kleiner Fluss floss und der Garten mit vielen Pflanzen bestückt war. Auch diente das Haus als kleine Wellnessoase für Besucher mit vielen Gästezimmern im kleineren Teil des Hauses. Alles war sehr traditionell eingerichtet: Tatamiboden, Holzfenster und -türen mit Pergamentpapier und so weiter. Meine Fantasie arbeitete an dem Tag wirklich auf Hochtouren und ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie es ausgesehen hätte. Hier vielleicht ein passendes Beispiel: die japanischen Häuser aus dem Film "The Last Samurai" ;). Mit großer Vorsicht durchforsteten wir das alte Haus und es hatte etwas von einem Gruselfilm. Die Fenster und Türen knarrten laut, so dass ich das Gefühl hatte, da wäre noch jemand anderes. In der Nacht wäre ich da sicherlich nicht durchgelaufen! Otou-san zeigte mir außerdem die Arbeitszimmer seines Großonkels, der Arzt gewesen war. Operationsraum, Apotheke, Labor - Selbst alte Aufzeichnungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts und verrostetes Operationsbesteck fanden wir in einigen Schubläden. Es gab sogar Medizinbücher auf deutsch, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte, allerdings fand ich auch schnell heraus warum. Nach der Besichtigung fuhren wir anschließend zum Friedhof, wo Verwandte meines Gastvaters bestattet waren und wir beteten gemeinsam. Alles in allem ein wunderschöner Tag mit meinem Otou-san :)

Kindergarten, Chugoku Shimbun, Hippo (07.12.)

Das war der bisher stressigste Tag in Hiroshima, denn ich hatte meine drei Projekte an EINEM Tag! Zuerst arbeitete ich von 10-15 Uhr im Kindergarten und hatte zudem eine eher negative Erfahrung mit einem kleinen ungezogenen Mädel gemacht, das andere Kinder kratzt und beißt. Aus einem anfänglich lustigen Gekitzelspiel begann sie mich zu hauen, was ich ihr in einigen Sätzen versucht hatte, zu untersagen. Mit einem Mal packte sie mich und kratzte mich heftig am Gesicht. Auch heute, sechs Tage danach, habe ich noch Blessuren im Kinnbereich, aber das Mädel hatte sich danach bei mir entschuldigt. Mit Kopfschmerzen ging es dann zum "Internationalen Konferenz Center Hiroshimas", um eine englische Vorlesung von Essar Gabriel, Generalsekretär von IAAF, anzuhören. Im Auftrag von der Chugoku Shimbun sollte ich einen Bericht darüber schreiben, indem ich auch meine eigene Meinung integrieren musste. Ich war sehr erstaunt, dass nur bestimmte Menschen, meist hochangesehene Wirtschaftsvertreter, zur Vorlesung eingeladen wurden und fühlte mich dementsprechend auch ein bisschen geehrt, eine persönliche Einladung zu erhalten ;) Aber kleidertechnisch war ich, glaube ich, eine lustige Bescherung haha :D Die Masse war komplett in schwarzen Anzügen gekleidet, nur ich hatte meine knallrote dicke Daunenjacke an und meine Bärenmütze mit Puschelohren auf dem Kopf beim Betreten des Hörsaals. Der Mann, der neben mir saß, hatte mich auch komisch angeguckt, als ich mich hingesetzt hatte, aber meine Chefredakteurin fand mich super niedlich. Die Vorlesung dauerte insgesamt zweieinhalb Stunden und größtenteils sprach Essar Gabriel über die sportlichen Trends und über die Olympischen Jugendspiele, deren Vision und Mission, die Jugendgeneration zum Sport zu inspirieren. Ziel dieser Vorlesung war es sicherlich Sponsoren unter den Wirtschaftsvertretern für die nächsten Spiele in Nanjing 2014 zu finden. Ich fand es größtenteils interessant, hätte mir aber gewünscht, dass er sich mehr auf dem Sport in Japan hätte beziehen können. Anschließend ging es dann zum Haus meiner Gasteltern, um am Hipposeminar teilzunehmen. Völlig erschöpft nahm ich etwas Essen zu mir und leitete dann mit meiner Okaa-san das Seminar mit Sprachübungen und Spielen. Kurz vor 23 Uhr war dann für mich Feierabend und zum Glück war am nächsten Tag Wochenende, wobei ich mich sicherlich mehr gefreut hätte, einmal länger als 7 Uhr schlafen zu können. Nun ja, am nächsten Tag war nichts geplant und ich konnte die Zeit gut für das Berichtschreiben nutzen. Von meinen Gasteltern hatte ich dann noch am Morgen erfahren, dass Wataru-kun gegen 23 Uhr noch gekommen, aber ich schon gegangen war. Wir hatten uns schon eine längere Zeit nicht mehr gesehen und ich hätte mich sehr gefreut, mal wieder mit ihm zu quatschen ;(

Karaoke ♪♫ (09.12.)

Beim Karaoke :)
Am nächsten Tag sollte der zweite Ausflug mit den Hippomitgliedern stattfinden. Der eigentliche Plan war erst Skifahren inklusive Bergkletterung, doch an dem Tag machte uns der starke Wind einen Strich durch die Rechnung. Wir entschieden uns um zum Schlittschuhlaufen, doch als wir an der Halle ankamen, überraschte uns ein Plakat auf dem stand, dass die komplette Halle reserviert war. Na toll! :( Auf welche Ideen kamen nun Hippos, wenn sie etwas gemeinsam unternehmen möchten? Natürlich auf lustige und schwupps ging es um 11 Uhr mittags in eine Karaokebar hihi :D Mit Tina-san, Melissa-san, Mori-san, Angela-san, Rimei-san, Koi-chan, Akaringo-chan und mir (die bekannte Gruppe) wurde die Bude gerockt. Wir trällerten zahlreiche Lieder in den verschiedensten Sprachen: englisch, chinesisch, koreanisch und japanisch. Animelieder zum Beispiel von One Piece wurden von Koi-chan und Akaringo-chan gesungen, Melissa-san mochte lieber alte, traditionelle Musik, Rimei-san chinesische Musik und ich versuchte mein Glück mit Liedern von Girl's Generation. Über einen Touch-Screen-Bildschirm konnte jeder seinen Liederwunsch eingeben und anschließend zu den Lyrics auf dem Fernseher mitsingen. Mit zwei Schellenringen konnten wir zum Takt mitschlagen und somit eine tolle Stimmung zusätzlich erzeugen. Jeder trug seinen Teil dazu bei, so dass die Atmosphäre super gelassen, lustig und gemütlich war. Danach gingen wir gemeinsam noch in ein Restaurant und aßen gemeinsam. Es war für mich irgendwie ungewohnt wieder Pizza zu essen, zumal ich in letzter Zeit eigentlich nur japanisches Essen zu mir nehme. Es war ein tolles Erlebnis und ich verstehe auch nun, warum Karaokebars so beliebt sind! Bevor ich es aber vergesse: Es gibt übrigens auch Karaokebars für, sage und schreibe, EINE Person. Sollte man den Spaß nicht mit mehreren Menschen genießen? ;) Was ist eure Meinung dazu?

Neue Mitbewohnerin aus Singapur (10.12.) 

Seit Montag teile ich das Haus mit der sehr sympatischen Khew-chan aus Malaysia, die Biologie an der "National University" in Singapur studiert. Auf Anhieb haben wir uns gut verstanden und können viele gemeinsame Interessen (Stichwort: Anime und Manga ;D) teilen. Sie wird bis zum 16. Dezember bleiben und dann wieder nach Singapur fliegen. Irgendwie will ich nicht daran denken, dass sie uns bald wieder verlassen wird, da die Zeit im Moment so schön ist. 

Chugoku Shimbun & Kusunoki Seminar (11.12.)

Kindergartenteam mit Professoren und Studenten
(Bild von Horie-san)
Am Dienstag hatte ich mit meiner Chefredakteurin eine Verabredung, um den von mir verfassten Bericht auf japanisch zu übersetzen. Dafür trafen wir uns im Verlagshaus bei leckerem Tee und Keksen. Den Journalisten und Redakteuren bei der Arbeit zuzuschauen fand ich sehr interessant. Zu meinem Text: Dieser bestand aus 600 Zeichen und daraus sollten nun 400 Schriftzeichen produziert werden. Mithilfe eines Computerprogramms ging das ganz fix, hier und da einige Kürzungen und innerhalb von einer Stunde hatten wir den japanischen Text fertig, der noch in diesem Monat, am 20. Dezember in der Abendausgabe erscheinen soll :) Anschließend ging es für mich zum Kindergarten, denn an dem Abend sollten von der Hiroshima Universität zwei Professoren und einige Studenten zu uns kommen, um ein Seminar zu halten. Meine Freundin, Haruka-san, kam ebenfalls, um mir beim Übersetzen zu helfen. Sie analysierten größtenteils das Verhalten einiger Kinder aus unserer Bambigruppe in Bezug auf "Einfluss der Umgebung" und dem darausfolgenden "Wohlbefinden". Mit einigen Videos wurden die Argumente belegt und anschaulich erklärt. Es war schon etwas kompliziert, vor allem, weil ich das meiste sprachlich nicht verstanden hatte, aber zum Glück war Haruka-san da, die mir geholfen hatte. Es war auf jeden Fall interessant. 

Hippos ultimative Weihnachtsfeier (12.12.)

Unsere Weihnachtsfeier :)
(Bild von Mori-san)
Mir war bewusst, dass die Hippomitglieder ausgiebig feiern konnten, aber die gestrige Weihnachtsfeier hatte all meine Erwartungen positiv übertrumpft! Zwar war gestern noch nicht Heiligabend, aber wen stört's? ;) Generell hatte ich das Gefühl gehabt, dass vieles hier früher stattfindet. Ich beziehe mich da auf die Vorbereitungen für Weihnachten, die bereits Mitte November starteten. Nun ja, zurück zur Feier: Andere Studentinnen aus Singapur waren auch mit ihren Hippogastfamilien gekommen und jeder hatte ein kleines Geschenk dabei. Mit einem großen Abendmahl (Sushi, Lachsgratin, Tempura, Kartoffelsalat und so weiter) eröffneten wir den Abend. Es gab so viele Gerichte und ich war froh, dass ich gestern seit 13 Uhr nichts gegessen hatte hehe :D Also wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, hatte ich ordentlich zugeschlagen! Mit vollem Magen sollten nun die Geschenke mit einem Spiel verteilt werden. In einem Kreis sitzend hatten wir unsere Geschenke passend zum Takt der Hintergrundmusik immer einen Platz nach rechts weitergegeben bis die Musik endete. Wenn das Lied zu Ende war. konnte man das Geschenk behalten. Ich hatte übrigens das Geschenk meiner Okaa-san erhalten, nämlich einen Weihnachtsmannbleistift mit einer Tafel und Kreide. Mein Geschenk, ein Glasgefäß mit selbstgebastelten Sternen, bekam Taro-chan und er freute sich sehr darüber. Für das Geschenk erhielt ich viel Lob hihi! *-* Nach dem Spiel erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt, als wir mit Süßigkeiten gefüllte Piñatas zerstören mussten. Es war gar nicht mal so einfach, aber superlustig. Jeder amüsierte sich köstlich und anschließend aßen wir zwei selbstgebackene Erdbeertorten und meine selbstgemachten Schokoladenpralinen. Danach war der Abend nun offen für zahlreiche Konversationen. An dem Abend kam auch Watarus älterer Bruder Akira-kun, der für Weihnachten und Neujahr aus Cambridge nach Hiroshima zurückkehrte. Ein supertoller Abend war das! 

So, das war's mal wieder von mir! Bald ist schon der dritte Advent und nächste Woche geht es bereits nach Südkorea! Die Vorfreude ist riesig :)

Eure Phu

Samstag, 1. Dezember 2012

Weihnachtsvorbereitungen

Hallo ihr Lieben!

Die Vorfreude auf Weihnachten ist bereits jetzt schon überall in Hiroshima zu spüren. Die Kaufhäuser sind reichlich mit Lichter ausgeschmückt, etliche Weihnachtsmänner ragen über den Dächern hinaus und vielerorts höre ich Weihnachtslieder aus den Lautsprechern klingen. Allmählich wird es hier auch kalt, so dass ich meine Winterjacke schon rausgepackt und angezogen habe. Auch ich freue mich schon sehr auf Weihnachten, vor allem, weil ich die Feiertage mit meinen Gasteltern verbringen kann. Ich habe bei meiner Ankunft hier zunächst befürchtet, dass ich Weihnachten alleine zu Hause bin, weil meine Gasteltern zu dieser Zeit in Südkorea sein werden. Allerdings haben sie mich neulich gefragt, ob ich nicht Lust habe, sie zu begleiten :) Und selbstverständlich habe ich ihnen zugesagt! Weihnachten in Südkorea, das wird bestimmt toll! In den kommenden Wochen werden auch Weihnachtspartys bei Hippo und auch im Kindergarten veranstaltet, wo ich mich dann als Weihnachtsfrau verkleide. Auch bei der Chugoku Shimbun wird eine Feier stattfinden, doch zu diesem Zeitpunkt werde ich schon in Seoul sein. Übrigens, im Kindergarten haben wir am Donnerstag den Weihnachtsbaum aufgebaut und dekoriert. Den Kindern hat es sehr viel Spaß gemacht und demnächst wollen wir auch viele Weihnachtslieder singen. Habt ihr schon mit den Weihnachtsvorbereitungen angefangen? 

Der Baum wird geschmückt ...
... und bestaunt :)

Apropos: In Japan gibt es den Brauch mit dem Adventskalender nicht, weswegen ich mir gedacht habe für die Kinder im Kindergarten einen zu basteln und ihn mit kleinen Süßigkeiten zu füllen :)

Tadaa! Der fertige Adventskalender!
(P.S.: Nochmal ein ganz großes Dankeschön an meine Eltern, die mir ein riesiges Paket voll mit Süßigkeiten geschickt haben! Ihr hättet mein aus den Fugen geratendes Gesicht sehen sollen, so sehr habe ich mich gefreut hihi! *-* Den Karton habe ich selbstverständlich schön verarbeiten können. Ansonsten wünsche ich euch einen schönen 1. Advent! Wie ich gelesen habe, ist es bei euch in Deutschland ziemlich kalt und es hat bereits schon geschneit. Kuschelt euch schön in eine warme Decke ein und genießt die ersten Plätzchen!

Sonntag, 25. November 2012

Junior Writer

Hallo ihr Lieben!

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie glücklich ich im Moment bin! Heute Vormittag fand nämlich die Willkommens- und Abschiedsfeier der "Chugoku Shimbun"- Zeitung statt und ich konnte so viele nette Menschen kennenlernen. Schon den gesamten Morgen war ich hibbelig und später im Zug mit den Gedanken völlig abwesend, dass ich beinahe meine Station verpasst hätte. Um 9.50 Uhr trafen sich alle "Junior Writers" im Verlagsgebäude und danach ging es schnurstracks in den Keller, wo die NPO-Gruppe bereits auf uns wartete. Der Tagesplan lautete nämlich, dass wir Papier recyceln und daraus neue Postkarten herstellen sollten. Kurze Information: Die NPO-Gruppe in Hiroshima (Non Profit Organization) unterstützt körperlich und geistig behinderte Menschen, die auch heute noch unter den Folgen der radioaktiven Strahlung, verursacht durch die Atombombe, leiden und bietet ihnen zahlreiche Aktivitäten an. Eine Mitarbeiterin erklärte uns den Zweck dieser heutigen Tätigkeit und zwar sollten diese Postkarten im "Peace Memorial Park"-Museum verkauft werden und das Geld kommt diesen Menschen zugute. Dafür verwendeten wir alte Origamikraniche aus dem Friedenspark, die jedes Jahr aufs Neue beim Kinderdenkmal angebracht werden. Da der Platz allerdings nur begrenzt ist und man die Kraniche aber nicht wegschmeißt, verarbeitet die NPO diese. Jeder von uns half fleißig mit: mithilfe eines Siebs fischten wir die eingeweichten Papierstücke aus dem Wasserbecken und bestückten es mit neuen Origamikranichen, die als Ausschmückung dienten. Anschließend pressten wir mühsam mit Handtüchern das Wasser aus dem Papier und bügelten es trocken. Zum Schluss gehörten auf der Postkarte noch zwei Stempel drauf. Jeder verzierte es auf seine Weise und am Ende kamen viele tolle, bunte Karten zustande. Es machte sehr viel Spaß und einige selbstgemachte Exemplare konnte ich mit nach Hause nehmen. Zwischendurch schloss ich auch schon die ersten Kontakte und die anfängliche Distanzierung verflog. Nach zwei Stunden räumten wir unsere Arbeitsplätze auf und bereiteten den Raum für das Mittagessen vor. Es gab Pizza, Chips und ganz viele Süßigkeiten (alles sehr gesund, ich weiß ;D). Vor dem Essen mussten sich die vier Neulinge (auch ich) erst einmal vorstellen und die zwei Abgänger hingegen verabschieden. Ich war etwas traurig, erfahren zu müssen, dass ich die eben kennengelernte Kana-chan nicht mehr bei der Zeitung wiedersehen werde. Zu ihr hatte ich auf Anhieb einen guten Draht. (Allerdings wollen wir uns freizeitmäßig treffen.) Wir waren nun insgesamt 14 "Junior Writers" und eine lustige Truppe! Das Mittagessen war sehr amüsant, denn die Jungs erzählten uns seltsame Geschichten rund ums Interviewen und Berichten. Um 14 Uhr war dann auch schon Schluss, ich bekam meinen Ausweis von Nii-san überreicht und ging mit einigen Mädels nach Hause. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass der Tag so schön werden konnte, vor allem, dass ich mich auf Anhieb so gut mit allen verstand! Nun freue ich mich sehr auf die kommenden Arbeitstage!
Das gesamte "Junior Writer Team" mit NPO
(Bild von Nii-san)
beim Papierrecycling
fertige Postkarten

Freitag, 23. November 2012

Hippos "Hexenküche" ;D

Hallo ihr Lieben!
Was macht Phu, wenn sie einen freien Tag hat? Kochen natürlich, und am liebsten mit Hippofreunden! :) Sugar-san hatte mich vor einigen Wochen gefragt, ob ich an dem heutigen Tag gerne noch einmal Sommerrollen machen würde, da sie diese seit dem kleinen Fernsehauftritt unbedingt probieren wollte. Ich hatte ihr natürlich zugesagt und noch den Vorschlag gemacht, man könnte auch Phở gà (vietnamesische Hühnersuppe) kochen. Daraufhin lud sie viele Hippomitglieder zum "Welfare center" nach Hatsukaichi ein. Dort angekommen war ich erst einmal sehr überrascht über die Großküche, die wir zur Verfügung hatten. Sie war mit allen möglichen Kochuntensilien ausgestattet und hatte viele Arbeitsflächen. Anschließend fingen wir auch sofort mit den Vorbereitungen an und ich war sehr glücklich darüber, wie fleißig alle mitgeholfen hatten. Auch die Kinder hatten sichtlichen Spaß daran, Gemüse und Garnelen zu schneiden.  Die Suppenbrühe hatte ich einen Tag vorher schon mit meiner Okaa-san fertig zubereitet, weswegen wir uns ganz auf die Sommerrollen konzentrieren konnten. 



die Kinder helfen auch mit
 bei den Vorbereitungen

die fertige Suppe
Es machte unglaublich viel Spaß, zusammen zu kochen (lecker war es auch), allerdings ging es Sugar-san heute überhaupt nicht gut, weswegen sie die Sommerrollen und die Suppe nicht wirklich genießen konnte und auch früher gegangen war. Während des Essens vergaßen wir komplett, dass wir die Küche um 14 Uhr verlassen sollten. Also stopften wir die leckeren Sommerrollen alle in uns rein und mussten das hinterlassene Chaos in weniger als 15 Minuten beseitigen. Allerdings war danach vom nach Hause gehen noch gar keine Rede! Das Zusammentreffen musste natürlich wieder genutzt werden, um unsere bisherigen Sprachkenntnisse vorzustellen. Diesmal musste ich mich als Einzige von ihnen prüfen lassen und erzählte ihnen nebenbei viel von meiner Familie und das Leben in Vietnam. Alles in allem ein sehr schöner Tag und Kochen ist jetzt wirklich eine Leidenschaft von mir geworden! :)

Dienstag, 20. November 2012

Okonomiyaki selbstgemacht!

Ein kleiner Wunsch ging in Erfüllung, als meine Okaa-san mich am Sonntag mit dem Satz: "Heute gibt's Okonomiyaki, Phu-chan! *-*" überraschte. Immer wenn mich Personen nach meinen japanischen Lieblingsspeisen fragten, war Okonomiyaki auf Platz 1. Dieses Gericht erinnert mich an Chinapfanne mit Ei auf Pfannkuchen. Es ist superlecker und gesund, da es mit viel Gemüse zubereitet wird. Auf einer Herdplatte wird zunächst der Pfannkuchenteig aus Mehl, Ei, Wasser und Salz aufgegossen und anschließend werden Fischflocken (Achtung: Nicht für Zierfische!) darauf verstreut. Zwischenzeitlich kocht man die Nudeln im Salzwasser weich. Nun werden Sojasprossen. Lauchzwiebeln, Croutons und kleingeschnittener Kohl auf den Teig getan. Anschließend werden magere Fleischstreifen auf das Gemüse gelegt und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Sobald das abgeschlossen ist, kommt nun der für mich sehr lustige Teil: mit zwei Schaber wird der Berg nun umgedreht, sodass das Fleisch unterliegt und schön knusprig wird. Daneben brät man jetzt ein Spiegelei und legt den Berg zunächst auf die Nudeln, die man zuvor auch auf die Herdplatte gelegt hat, und danach auf das Ei. Anschließend wird noch einmal gewendet, so dass das Spiegelei einen nun zulächeln kann. Dann ist die Prozedur auch schon beendet. Mit Petersilie, einer würzigen Sauce und anderen Gewürzen erschafft jeder noch seine persönliche Note und dann kann gefuttert werden. An diesem Abend aß ich anderthalb Okonomiyaki und fühlte mich danach so rund! :D Kleiner Vergleich: Im Restaurant bezahlt man durchschnittlich 750 Yen (ca. 7€) für einen Okonomiyaki, selbstgemachter Okonomiyaki kostet umgerechnet nur um die 100 Yen. Laut meinem Otou-san galt Okonomiyaki früher als Arme-Leute-Essen, welches jeder nur im versteckten Kämmerchen aß, um nicht damit entdeckt und anschließend ausgelacht zu werden. Okonomiyaki hat auch seinen Ursprung in Hiroshima. Heutzutage werben einige Restaurants mit den schrägsten Kreationen: Okonomiyaki mit Käse, mit Meeresfrüchten, mit Senf, mit Sakegeschmack (o.O?) und und und. Dabei steigen die Preise auch schon in den tausender Bereich (zum Beispiel 1300 Yen für Meeresfrüchte). Für meine Gasteltern und für mich ist die simple Art die leckerste! Und Freunde: Okonomiyaki werde ich in Deutschland auf jeden Fall nachkochen!

Es wird gewendet!
Guten Appetit! :)

Chugoku Shimbun

Hallo meine Lieben!

Es gibt einige Neuigkeiten, die ich euch gerne mitteilen möchte. Der liebe Paper-san, ein Hippomitglied und Journalist, hat mich bei der lokalen Hiroshimazeitung "The Chugoku Shimbun" als "Junior Writer" für das Projekt "Atomic Bomb History" vorgeschlagen und ich wurde tatsächlich angenommen. Kurze Information: Die Zeitung mit Sitz in Hiroshima bedient die Region Chugoku mit einer täglichen Auflage von ca. 750.000 Zeitungen. Nun werde ich mich mehrmals im Monat mit anderen jungen Menschen treffen und Berichte schreiben, die dann jeden Montag in der Zeitung veröffentlicht werden. Die Chefredakteurin, Nii-san, meint, dass ich trotz fehlender Japanischkenntnisse eine Bereicherung für das junge Team sei. Hoffentlich sind ihre Erwartungen nicht zu hoch! Bisher habe ich vom Ablaufplan mitbekommen, dass wir in den nächsten Wochen ein Krankenhaus auf der Miyajima Insel besuchen werden, wo wir mit einigen Ärzten ein Interview bezüglich der Auswirkungen von radioaktiver Strahlung führen und auch mit Augenzeugen sprechen möchten.  Das ist wirklich eine große Chance für mich, weitaus mehr als im Geschichtsunterricht über diese Zeit während des Zweiten Weltkrieges zu erfahren und einen großartigen Einblick in den Alltag von Journalisten zu bekommen. Übrigens werde ich die Berichte zunächst auf englisch verfassen, später dann auf japanisch, wo mir meine Okaa-san dabei helfen wird. ICYE hat mir außerdem die Bestätigung gegeben, dass diese Arbeit als Freiwilligenarbeit gezählt werden kann, und auch das Vorbereiten und Leiten der Hipposeminare gehören nun dazu. Nach Absprache mit dem Komitee werde ich nur noch dreimal die Woche im Kindergarten arbeiten.

Am 18.11.2012 hatte ich bereits schon meinen ersten Auftrag für die "Chugoku Shimbun"-Zeitung, noch bevor ich wirklich offiziell dem Team beigetreten bin. An diesem Tag fand nämlich das Kommunikations- und Kulturfestival im Herzen Hiroshimas statt und meine Chefredakteurin, Nii-san, fragte mich, ob ich mich gerne am Interview beteiligen möchte. Ohne jegliche Zögerung hatte ich zugesagt und machte mich frohen Mutes an dem Tag mit Stift, Block und Aufnahmegerät gewappnet auf dem Weg, allerdings war ich ziemlich aufgeregt und ein wenig unsicher, da ich von ihr keine Fragen, weiteren Informationen bezüglich der zu interviewenden Person oder den Zweck der Befragung erhielt. Am vereinbarten Treffpunkt angekommen traf ich auf Nii-san und einen anderen "Junior Writer", insgesamt waren wir nur zu dritt. Trotz kurzer Besprechung fühlte ich mich völlig unvorbereitet, zahlreiche Fragen schwirrten mir noch im Kopf herum und als sie mir das Blatt mit den neun Fragen gab, war ich erst einmal völlig durcheinander, vor allem, weil ich die Fragen auf japanisch stellen sollte und Kanjis (chinesische Schriftzeichen) aber nicht lesen konnte. Eine englische Übersetzung stand zwar auch drauf, aber die durfte ich nicht benutzen. Nii-sans Kommentar dazu: "Just do it! :)" (Leicht gesagt, aber die Umsetzung war etwas holprig.) Nun ja, erstmal mussten wir uns vor der Person vorstellen. Die Frau hieß Shiori Kamigaki und war sehr freundlich, so dass ich mich keineswegs weiter unwohl fühlen musste. Sie war Mitglied in der "Salam"-Gruppe (arabisch, bedeutet übersetzt "Frieden" ), die sich für Frauen aus dem Palästina stark macht und ihnen Möglichkeiten anbietet, unabhängig und frei zu leben. Mithilfe von "Fair Trade" produzieren und verkaufen sie ihre handgemachten Strickereien, Taschen, Ketten und Buchumschlägen unter sehr guten Arbeitsbedingungen. Auch wird die Bildung der Frauen sehr gefördert, so dass sie auch die Chance haben zu studieren. Fragen zur Entstehungsgeschichte, zum Leitbild, zur Zukunftsperspektive u.a wurden ihr gestellt. Auch über den momentanen Konflikt zwischen den Hamas und Israel im Nahen Osten diskutierten wir mit ihr. Ab und zu übersetzte sie mir ihre Antworten auch auf englisch, aber größtenteils sprachen wir auf japanisch, wo ich von allem ein gutes Drittel verstand. Das Interview war ein voller Erfolg und ich konnte ihr weitaus mehr Fragen stellen, die mich persönlich interessiert hatten. So lief das Interview auf insgesamt anderthalb Stunden hinaus (geplant waren zunächst nur 30 Minuten). Nachdem das Interview beendet war, besuchten wir noch einige Verkaufsstände der Salam-Gruppe und ich kaufte mir eine hübsche Kette mit einem Anhänger als Olivenholz. Übrigens muss ich noch keinen Bericht schreiben, da dieser Tag für mich noch ein Schnuppertag war und der andere Junge diesen verfassen wird. Dafür habe ich die Fotos für den Artikel geschossen und persönliche Erfahrungen gesammelt. Am 25.11.2012 habe ich meine Willkommensfeier und ich bin schon aufgeregt, die anderen "Junior Writer" kennenzulernen.

fleißig Fotos knipsen ;)
(Bild von Nii-san)

Sonntag, 11. November 2012

Hippomarathon

こんにちは!
Wenn das Oberhaupt der Hippos nach Hiroshima kommt, dann sind alle aus dem Häusschen, und wie! Seit Tagen bemerkte ich bei vielen eine gewisse Anspannung, denn an diesem Wochenende kam Kenchi Suzuki aus Tokio, um drei Tage lang Vorlesungen abzuhalten. Das Ziel war natürlich, neue Mitglieder für den Hippo Family Club anzuwerben. Meine Okaa-san hatte mit mir zuvor eine Konversation einstudiert, wo ich in fünf verschiedenen Sprachen meine bisherigen Erlebnisse - in Japan und mit Hippo - den Zuschauern an diesen Tagen präsentieren sollte: in deutsch, englisch, französisch, vietnamesisch und japanisch. Nun stand ich mit anderen Mitgliedern vor einem 80-köpfigen Publikum auf der Bühne und jeder leistete seinen Beitrag zum Hippoclub, zum Beispiel hatte sich Koi-chan auf koreanisch vorgestellt oder einige erzählten von ihren Auslandsaufenthalten mit Hippo. Aufregung spürte ich keine, da ich mir ziemlich sicher war, dass die meisten Zuschauer mich nicht verstehen werden. Alles lief reibungslos, und am nächsten Tag stand mir dann auch noch der gleichaltrige Wataru-kun auf der Bühne bei, der gemeinsam mit mir auf deutsch sprach. Anschließend folgte die zweistündige Vorlesung von Suzuki-san. Obwohl ich nicht einmal ein Drittel verstand, fand ich seine Präsentationsweise faszinierend. Mit euphorischer Stimme, gutem Humor und gutausgewählter Gestik hatte er die Aufmerksamkeit vieler Zuschauer (meiner inklusive) ergattert. Er erläuterte vieles aus der Sprachwissenschaft und erklärte die Funktionsweise des Gehirns, wenn ein Mensch mehrsprachig aufwächst beziehungsweise fähig ist, viele Sprachen zu sprechen. Als Beispiel nahm er mein Gehirn als Modell, um zu zeigen, wie vernetzt es wäre. Wataru-kun war sehr hilfsbereit und übersetzte mir ab und zu einige Begriffe. 

bei der Generalprobe
(Bild von Mori-san)
Nach den Vorlesungen war an beiden Tagen Abendessen angesagt! Am ersten Tag gingen wir ins, ich nenne es mal "Bodenrestaurant" (wie damals in Tokio), wo die Beine im Boden verschwanden. Dort gab es sehr leckeres Essen, wie japanische Sommerrollen, Nudelpfanne, Fischplatte, und und und. Schon an diesem Abend griff man ordentlich zu Bier und Wein, und nach nur zwei Stunden sah ich überall rote Köpfe. Der nächste Abend sollte das allerdings toppen. Wir gingen nämlich ins Buffetrestaurant, wo alle Speisen und Getränke für uns zur freien Verfügung standen. Mir war dann selbstverständlich bewusst, dass das mein Todesurteil für die Waage bedeutete. Losgestürmt und mit riesigen Tellern in den Händen hatte jeder von uns anschließend einen riesigen Berg Essen. Ich versuchte von jedem etwas Kleines zu essen, doch am Ende kam viel mehr zusammen, wo ich nur dachte, dass ich nach Hause "rollen" werde. 

im "Bodenrestaurant"
(Bild von Mori-san)
im "Buffetrestaurant"
(Bild von Mori-san)

Die Stimmung an diesem Abend war wirklich perfekt, alle waren gut drauf. Es wurde ordentlich gelacht, geplaudert und auf den Hippoerfolg mit viel Bier angestoßen. Übrigens hatte überraschenderweise  der Hippo Club sehr viele Neuanmeldungen. Ich bin erstmal erleichtert, dass das Hippowochenende vorbei ist!

Eure Phu

Dienstag, 6. November 2012

Wochenendausflug Tag 2

Fortsetzung...

Am nächsten Tag klingelte der Wecker um 07:15 Uhr und ehrlich gesagt, wollte ich gar nicht aufstehen und viel lieber weiterschlafen, aber wir mussten schon um acht das Hostel verlassen. Also hieß es schnell anziehen, frühstücken und dann ab ins Auto, weil die erste Station des Tages Matsue hieß.

Bootsfahrt in Matsue

Die Autofahrt dauerte diesmal nicht allzu lange, weshalb ich im Auto nicht weiterschlafen konnte. Dort angekommen hatte mich das Bild der Stadt ziemlich erstaunt, allerdings im negativen Sinne: überall Betonhäuser, Straßen, Läden und keine Pflanzen. Später weiter in der Nähe des Horikawa Flusses, wo viele Touristen vorbeikommen, gab es viele Bäume, Blumen und Tiere. Sehr gegensätzlich! Wir machten daraufhin eine Bootsfahrt auf dem Fluss und es war an dem Morgen ziemlich kalt. Glücklicherweise hatte ich meine Winterjacke dabei, sonst wäre ich sicherlich erfroren. Im Boot hatten wir zwar auch eine beheizte, gemütliche Decke, allerdings blieben hauptsächlich die Beine damit warm. Ein Guide hatte uns Geschichten über Matsue erzählt und auch japanische Lieder vorgesungen, was ich sehr schön fand. Ab und zu mussten wir uns ducken, denn wir fuhren auch durch Tunnels.

Horikawafluss
im Boot :D

Japan Myth Expo in Shimane

Anschließend ging es direkt mit dem Auto nach Izumo in die Shimane-Präfektur, wo die "Japan Myth Expo"(21.07. - 11.11.2012) stattfand. Der Ort ist für seine Mythologien und Schreine sehr bekannt, weshalb von überall aus Japan die Menschen kommen, und an diesem Tag war es dementsprechend voll. Wir hatten dort erstmal zu Mittag gegessen und uns einige Stände angeschaut. Anschließend sahen wir uns ein "Myth Movie Theater" an. Die Geschichte handelte von Susano-o, der von seiner Schwester, der Göttin Amaterasu, aus dem Himmelsreich verbannt und in die Stadt Izumo gebracht wurde. Dort angekommen fand er ein älteres Ehepaar, dessen letzte Tochter (von insgesamt neun) Kushinada-hime noch am Leben war, allerdings von der bösen Kreatur Yamata-no-Orochi heimgesucht wurde. Das Monster hatte acht Köpfe, entsprechend der Anzahl der Töchter, welche es bereits aufgefressen hatte. Susano-o verliebte sich in Kushinada-hime und bereite mit ihr einen Saketrank für das Monster vor .. (hihi das Ende verrate ich euch natürlich nicht). Das Theater war meiner Meinung nach sehr gelungen, denn neben dem Film spielte ein Schauspieler noch einige Szenen auf der Bühne. Anschließend besuchten wir noch das Shimane Museum, wo viele altertümliche Gegenstände ausgestellt wurden. Auch einige Bauten in Kleinformat des Izumo Taisha Schreines und viele Schwerter konnte ich besichtigen. 

auf der Expo
Akaringo-chan und ich vor dem Maskottchen

 Izumo Taisha Schrein

Um 14 Uhr waren wir dann mit einem englischsprachigen Guide "George" verabredet, der uns zum Izumo Taisha geleitete und sehr interessante Geschichten erzählte. Ich hatte mich natürlich gefragt, warum die anderen keinen japanischen Guide arrangiert hatten (was für sie verständnismäßig deutlich einfacher gewesen wäre), aber sie meinten, es wäre besser für das Sprachtraining :) Die Einstellung fand ich wirklich klasse! Der Schrein gehörte zu wichtigsten Shintoschreinen Japans und durchlief alle 20 Jahre einer Restauration, denn das Holz musste immer wieder ausgewechselt werden. Dabei verlor er mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Größe (46 Meter). In Bezug auf den Shintoismus sagt man, dass eine Erneuerung eines Schreines immer ein Neubeginn bedeutet und neues Glück und neue Hoffnung für die nächste Generation bringen soll. Zudem hatte ich auch erfahren, dass der Schrein sehr gern von Liebespaaren besucht wird, die mit einem Besuch auf eine glücklich erfüllte Liebe hoffen. So finden jährlich auch viele Hochzeiten im Izumo Taisha Schrein statt.  Ich hatte an dem Tag mir auch ein Orakel geben lassen und es an einem Baum angebracht, damit das Unglück nicht mit nach Hause genommen werden soll. Mal sehen, ob sich einige Sachen bezüglich meiner Zukunft bewahrheiten :) Anschließend, etwas erschöpft, gingen wir in ein Restaurant und aßen Izumo Zenzai (Rote Bohnen Suppe mit Mochi). Es war sehr süß, schmeckte aber vorzüglich. Danach fuhren wir noch in die Weinberge und kauften Souvenirs für unsere Daheimgebliebenen. Da meine Okaa-san sehr gerne Wein trinkt, dachte ich mir: "Kaufe ihr doch Wein und für Otou-san Weintraubensüßigkeiten!" ^^. (Sie hatten sich sehr gefreut :D). Anschließend ging es wieder zurück nach Hiroshima mit einem kurzen Abstecher bei Cocos Restaurant, wo wir alle Hamburger aßen. 

Alle zusammen :D
 Schrein

mein Orakelzettel in der Mitte
Beim Herausfischen des Zettels

Zenzai



Alles in allem war es ein wunderschönes Wochenende und ich konnte die Hippomitglieder viel besser kennenlernen! Der nächste Ausflug soll bald folgen. Akaringo-chan möchte nämlich Skifahren!
So, das war's erstmal von mir! Ich hoffe, dass die langen Berichte jetzt nicht allzu quälend zu lesen waren!

Eure Phu-chan

Wochenendausflug in die San-in-Region Tag 1

Hallo ihr Lieben!

Wie sehr hatte ich mich auf das Wochenende gefreut! Nach einer anstrengenden Woche mit vielen Ereignissen konnte ich es kaum erwarten, dass es endlich losging. Ein Wochenende im San-in Hot spring Resort mit netten Hippomitgliedern! ^_^ Einige Tage zuvor kam eine malaysische Familie nach Hiroshima, die für vier Tage bei mir Haus wohnte. Schlaflose Nächte und anstrengende Kindergartentage folgten, weil wir viele neue Kinder im Kindergarten begrüßten, die allerdings ständig Heimweh hatten und uns allen einige Nerven raubten. In den vier Tagen wuchs mir die Familie aus Malaysia sehr ans Herz, weshalb der Abschied ein bisschen traurig war, zumal ich jetzt wieder alleine wohnen muss. Allerdings werde ich bald die Möglichkeit haben, eine neue Mitbewohnerin aus Singapur begrüßen zu können. 

Nun ja, das Wochenende stand vor der Tür :)
Früh am Samstagmorgen um sechs Uhr hieß es für mich aufstehen, um die restlichen Sachen für den Ausflug einzupacken und zu frühstücken. Meine Okaa-san hatte mir geraten, eine dicke Winterjacke einzustecken, und ich war am Sonntag wirklich froh darüber, dass ich bei den eisigen Temperaturen nicht frieren musste. Die liebe Rimei-san hatte die Woche zuvor einen Plan aufgestellt, welche Orte und Sehenswürdigkeiten (mit genauer Zeitangabe) wir besichtigen werden. Überraschenderweise hatten wir fast alles genau ohne Zeitdruck in dem Rahmen geschafft. Ich muss zugeben, dass ich ihr Organisationstalent sehr bewundere, allerdings schreckten mich ihre Fahrkünste ab. Zu siebt fuhren wir anschließend mit dem Auto in Richtung Norden, dabei wechselten sich Tina-san und Rimei-san mit dem Fahren ab. Die Hippo-CD in das Autoradio reingeworfen, hatten wir wieder unsere alltäglichen Sprachübungen durchgeführt, was natürlich ein Muss für jeden Hippo ist ;)! Wir fuhren durch Berge und Wälder und ich genoss den Blick aus dem Auto sehr.  Bereits auf der Miyajima Insel hatte ich mich in die Landschaft verliebt, aber der Herbst hauchte auch in den Bergen die Bäume in einen Rot- und Goldschimmer ein. Zwischendurch hielten wir bei einigen Raststätten an, und ich muss zugeben, die deutschen Raststätten könnten sich da wirklich eine Scheibe abschneiden. So sauber und rein wie hier hatte ich es noch nirgends in Deutschland gesehen ;). Als neuen Autoinsassen hatten wir wenig später eine riesige Smartiesschachtel, als Geschenk für einen Hippofreund. Weiter ging die Fahrt, bis uns ein Stau aufhielt, allerdings für nur zehn Minuten. Jedoch hätte Rimei-san beim Überholen beinahe ein Auto angefahren. Die Vollbremsung weckte mich aus meinem Schlummer und danach war ich hellwach.

Sakaiminato sushi lunch

Unser erster Stopp war an einem sehr bekannten Restaurant, wo es Sushi auf Fließband für einen günstigen Preis gab. Selbstverständlich hatten wir alle ordentlich zugehauen und am Ende 44 Sushiteller und drei Krabben verspeist. Ich amüsierte mich sehr beim Anblick der vorbeihuschenden Teller, ab und zu verpasste ich auch einige :D Mithilfe eines Bildschirms konnten wir uns auch besondere Kreationen aussuchen: Sushi mit Mais, Kaviar und und und ...

44 Teller :D

Gemeinsam beim Sushilunch



Mizuki Shigeru Yokai (Demon) Road

Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter, um die bekannte Mizuki Shigeru Yokai Straße anzugucken. Dort wurden Figuren aus der berühmten japanischen Kinderserie "Ge Ge Ge no Kitaro" von dem japanischen Zeichner Mizuki Shigeru ausgestellt. Dort angekommen hatten Akaringo-chan und ich an der Stempelschnitzeljagd teilgenommen. Wir bekamen ein Heftchen in die Hand gedrückt und sollten in "dieser" Straße nach Stempelausgaben Ausschau halten. Hach, es war superlustig :D Nach drei Stunden hatten wir alle gefunden und bekamen eine Urkunde überreicht. 

Yokai Road mit vielen Souvenirsläden
Fleißig beim Stempeln

Charaktere aus Ge Ge Ge no Kitaro^^
Juhu, wir haben die Urkunde!

Check-in Hostel, Hippobesuch, Onsen

Als wir mit der Suche fertig waren, ging es in Richtung Hostel. Kopfschmerzen plagten mich darauf einige Stunden, doch nach dem Abendbrot war wieder alles in Ordnung. In einem Restaurant aßen wir Soba (Nudelsuppe) mit frittierten Pilzen. Vom Essen war ich schon etwas enttäuscht, da es köstlich aussah, aber nach nichts schmeckte. Erst mit ordentlich viel Sojasoße konnte ich einen Salzgeschmack erzeugen. Angekommen im Hostel hatten wir eine kurze Pause eingelegt. Mit Rimei-san, Tina-san und Akariringo-chan hatte ich ein Zimmer geteilt, doch war mein Bett nicht sehr gemütlich, denn es hatte in der Mitte eine tiefe Mulde, weswegen ich mich weder nach links noch nach rechts drehen konnte. Um 19 Uhr ging es dann zum Hippo Family Club. Wir trafen auf eine Freundin und andere netten Menschen, mit denen wir die Hippoübungen durchgeführt hatten. Ich sollte mich in fünf verschiedenen Sprachen vorstellen, über meinen Aufenthalt erzählen und ihnen auch Fotos von meinen Freunden zeigen ;) Es war wirklich sehr lustig. Um 20:30 Uhr fuhren wir danach auch wieder zurück, da wir noch ins Onsen (heiße Quellen) gehen wollten. An einem Supermarkt hielten wir mit dem Auto an und kauften Lebensmittel für das Frühstück (Apfel, Brot, Lemon Tea und "Smoothie") ein. Blöderweise verwechselte ich einige Schriftzeichen, weshalb ich dann am Ende ein alkoholisches Getränk gekauft hatte anstatt Smoothie :DDD Tina-san hatte mich am nächsten Tag darauf aufmerksam gemacht und wir beide brachen in Lachen aus! Der Besuch im Onsen war einfach fantastisch und sehr entspannend. Vor dem Betreten des Wassers musste ich mich sehr gründlich waschen und meine Haare hochstecken, was bei der momentanen Länge etwas schwierig war. Wir alle gingen in den Außenbereich, der mit Steinen, einem Wasserfall und Pflanzen bestückt war und ein offenes Dach hatte. Hach, es war traumhaft und ich wollte da gar nicht mehr weg. Um 23 Uhr gingen wir zurück ins Hostel, doch zum Schlafen war es noch viel zu früh ;) Trotz totaler Erschöpfung ging ich noch ins Nachbarzimmer zu den anderen und wir hatten alle noch den Abend mit Snacks und Bier (für mich Saft) gemeinsam ausklingen lassen. Um 1:00 Uhr war dann aber wirklich Schluss! ^^ Am nächsten Tag sollte wieder ein volles Programm stattfinden.

Hippomitglieder

Donnerstag, 1. November 2012

Happy Halloween!

Gruppenfoto mit einem Geist :)

Na, habt ihr Halloween auch genießen können? ;) Als kleine Überraschung für die Kinder hatte ich mich gestern als Geist verkleidet und mit ihnen Halloween gefeiert *muhahaha* Die Kinder waren sehr aufgeregt und schnappten ständig nach meinen Lollipops, die ich am Rücken befestigt hatte. Wirklich gruselig fand ich mich nicht [laut Erzieherinnen war ich "totemo kawaii!" (supersüß)], aber ich war erstaunt, dass ich zwei Kinder zum Weinen gebracht hatte, obwohl das nicht beabsichtigt war. Mit lustigen Spielen, Liedern und Naschereien ließen wir den Nachmittag schön ausklingen. Allerdings habe ich nun die Befürchtung, dass sich einige von ihnen nicht mehr von mir tragen lassen möchten haha :D Zur Halloweenzeit werden außerdem die Schaufenster von Einkaufshäusern Hiroshimas mit Kürbissen, Hexen, Spinnen und Geistern reichlich dekoriert. Der Brauch, verkleidet von Tür zu Tür zu gehen und nach Süßigkeiten zu fragen, sei laut meinen Gasteltern eher selten, dafür verkleiden sich viele junge Menschen und gehen mit ihren FreundInnen in Bars oder Restaurants, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Viele Familien mögen es auch, ihre Häuser mit jeglichen Gruselfiguren zu dekorieren.

Samstag, 27. Oktober 2012

Wiedersehen mit Tobi

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass schon weit mehr Zeit vergangen ist, aber nach fast 2 Monaten sah ich heute Tobi (ein guter Freund aus Deutschland) wieder. Hach, wie ich seine sarkastische Ader (nicht) vermisst hatte ;)! Mit drei weiteren netten Leuten ging es bei Nieselregen wieder zur Miyajima Insel. Diesmal bekam ich sogar die Chance bei Ebbe zum O-torii Tor zu laufen und dort ein fünf Yenstück am Fuß anzubringen, was mir Glück bringen und hoffentlich nicht von der Flut weggeschwemmt werden soll. Unser Tagesplan, erneut auf den Mount Misen diesmal mit der Seilbahn zu gelangen, wurde durch die "netten" Preise an der Bahnstation in den Wind geschlagen. Drei von uns hatten es mit dem Fußweg versucht, ich blieb mit Jasmina unten und gemeinsam suchten wir (vergeblich) eine Bleibe auf der Insel, weil es zudem ziemlich schnell dunkel wurde. Von insgesamt acht befragten Unterkünften hatte uns nur eine nette Dame weitergeholfen bei anderen Hostels nach Unterbringungsmöglichkeiten zu fragen. Aus dieser Miserie hatten wir Erfahrungen für das Leben gelernt, dass man durch früheres Suchen einer Unterkunft sehr viel Geld und Nerven hätte sparen können ;) Ein wenig Glück hatten wir allerdings beim "Gefüllte Hefeklößestand". Dort gab es vorzüglich schmeckende Klöße mit Fleischfüllung, die durch Kogoro Mori aus Detektiv Conan (Animeserie) ins Leben gerufen wurden.  Kurz vor Ladenschluss konnten wir glücklicherweise noch einige ergattern. Danach ging es für die anderen in ein Hotel, für mich nach Hause. Übrigens: Rotgefärbte Ahornblätter verzaubern im Moment die Landschaft Miyajimas und es ist eisig kalt.

bei Ebbe vor dem Tor
mein 5 Yenstückin der Mitte ;)

Tobi und ich
Ein kleiner Nachtrag: Gestern Nacht (von Freitag auf Samstag) um 04:45 Uhr hatte mich ein Erdbeben der Stärke 3,0 aus dem Schlaf gerissen. Das war das erste Mal, dass ich eins miterlebte. Es war, als ob 5 Lastwagen direkt neben mein Haus entlangbretterten. Mein Bett wackelte hin und her und der Lärm war sehr unangenehm. Eine furchterrengende Erfahrung für mich! 

Hiroshima TV

Hallöchen! 

Wenn an manchen Abenden Entspannung angesagt ist, nutze ich die Zeit, um ein wenig das japanische Fernsehen zu durchforsten. Dabei ist mir aufgefallen, dass es gar nicht so viele Animesender und -serien gibt, wie ich vermutet habe. Ab und zu verfolge ich Detektiv Conan, ansonsten schaue ich mir Nachrichten und  Reality Shows an, von denen Letzteres Massen vorhanden sind. Wer sich an "Takeshi's Castle" erinnern kann, dem wird bewusst, dass viele Japaner eine Leidenschaft für spaßige Sendungen besitzen, denn das Fernsehprogramm ist so aufgebaut, dass hauptsächlich zur Abendbrotzeit, wenn viele Menschen zu Hause sind, die für mich sehr skurrilen Sendungen über Schönheitsoperationen, radikalen Gewichtsabnahmen mithilfe von merkwürdigen Methoden, Survivalcamps und vieles mehr im Fernsehen laufen. Auch filmen sie oft bei japanischen Familien zu Hause, um deren Alltag auf lustige Weise zu dokumentieren und niemals hätte ich im Leben damit gerechnet, einmal bei einer solchen Reality Show mitzumachen!

Am Donnerstag, den 25.10.12 war es nämlich soweit. Meine Okaa-san (übersetzt: Mutter) hatte mir zwei Tage zuvor erzählt, dass ein Fernsehteam zu ihnen nach Hause kommen und uns interviewen möchte (meine Gedanken waren dazu: "Was zur Hölle geht hier vor sich?). Genauere Details hatte sie mir zu dem Zeitpunkt nicht genannt und so nahm ich die Sache zunächst ganz locker. Am Tag dann die Nachricht: "Phu-chan, du wirst kochen!" und völlig perplex musste ich mich erstmal sammeln und mit Okaa-san einkaufen gehen. Wir hatten uns entschieden, Sommerrollen und Eierreis zu kochen. Nach dem Einkauf fingen wir direkt mit den Vorbereitungen an. Alle Zutaten wurden kleingeschnitten, mariniert und gekostet. Es machte wirklich sehr viel Spaß und zwischendurch konnte ich mich auch ausruhen, damit ich für den Abend gewappet war. Als dann die Teufelsstunde näherkam, waren alle sehr nervös, vor allem Otou-san (übersetzt: Vater) merkte man seine Aufregung, die sich in seinen Kreisbewegungen durch den Raum zeigte. Eine gute Hippofreundin kam etwas später mit ihrer Tochter auch vorbei und bereitete Kartoffelauflauf vor. Somit hatten wir auf dem Tisch vietnamesische und deutsche Speisen. Mit etwas Verspätung erschienen dann auch die Reporterin, der Kameramann, der Mikrofonhalter und Director. Bei der Begrüßung musste ich mir wirklich das Schmunzeln verkneifen, denn die Reporterin gab meiner Okaa-san ein überdimensionales Schild in die Hand, wo der Name der Show draufstand ("Omameshi") und forderte sie auf, in die Kamera zu grinsen. Ich bemerkte, dass sie sich nicht ganz wohl in ihrer Rolle fühlte. Jeder stellte sich anschließend mit seinem Spitznamen vor. Übrigens war der von Otou-san: Totoro. Dann wurde die gesamte Aufmerksamkeit auf mich projiziert, womit ich zunächst Schwierigkeiten hatte, jedoch war am Ende alles sehr lustig und locker. Die Reporterin hatte mich über jegliche, kulturelle Sachen auf japanisch interviewt, was meine Okaa-san dann ein wenig für mich übersetzen musste. Außerdem hatte sie mich über typische Steoreotypen aus Deutschland gefragt (Stichwort: Bier) und mir Wörter im Hiroshimaslang sagen lassen (mit ausdrucksstarker Mimik und direkt in die Kamera natürlich!). Dann fingen wir an zu essen und meine Aufgabe war es, zu zeigen, wie man Sommerrollen richtig formt. Mit "Prost!" und Bier (ich mit Wasser) hatten wir dann auch angestoßen, und selbstverständlich musste das auch in den Filmkasten. Es wirkte ziemlich gekünstelt und spaßig, weswegen ich mich ziemlich am Riemen reißen musste, nicht in Lachen auszubrechen. Das Essen wurde sehr gelobt und war mit einem Nu aufgegessen. Die Verabschiedung der Show war abschließend mit dem Satz "Das war ein großer Erfolg!" geleistet, den wir alle gemeinsam in die Kamera gerufen hatten. Nach einer Dreiviertelstunde war Schluss und danach hatten wir alles nochmal mündlich Revue passieren lassen. Übrigens: das Kamerateam filmt oft bei Menschen zu Hause, um sie beim Abendessen "zu stören", in dem Sinne, dass meistens alles perfekt vorbereitet wird. Meine Gasteltern haben das natürlich clever für ihre Hippowerbung genutzt. Nächste Woche soll es im Fernsehen erscheinen und ich bin gespannt, wie viel sie rausschneiden werden. Das war wirklich ein tolles, lustiges und unvergessliches Erlebnis!

Bei den Vorbeitungen
Prost! Es wurde getrunken, ...
 ... gegessen und...

... gefragt :)
(Bild von Kamikawa-san)

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Arztbesuch

Eigentlich ist es mein Wunsch gewesen während meines Auslandsaufenthaltes möglichst wenig zum Arzt gehen zu müssen, doch seit meiner Ankunft von vor knapp einem Monat leide ich unter starker Akne. Das Schlimme daran: mein Gesicht ist extrem gerötet und diese fiesen Pickelchen tun auch noch weh. Also bin ich letzte Woche zum Hautarzt gegangen. Zu meiner Überraschung konnte der Doktor wirklich gut englisch sprechen und mir genau erklären, welche Salben wie und wann zu verwenden sind. Zudem ist er sehr freundlich gewesen, so dass ich mich in keiner Minute hätte unwohl fühlen müssen. Als Ursache für die Akne hat er den Stress genannt, wobei ich wirklich geglaubt habe, dass es am Essen oder am Wasser liegt, welches sehr chlorhaltig ist (ziemlich unangenehm beim Waschen und Zähneputzen). Die Praxisausstattung hat sich nicht groß von einer deutschen Arztpraxis unterschieden, alles sehr modern und sauber, und im Wartebereich gibt es Manga zum Lesen. Ein kleines Problemchen gibt es aber doch: Die Rezepte und die Rechnung sind auf japanisch ausgestellt worden, was natürlich für meine Auslandskrankenversicherung etwas problematisch sein könnte. Allerdings hat der Arzt mich in zwei Wochen nochmal zu sich eingeladen, um zu sehen, ob sich meine Haut verbessert hat und da kann ich ihn ja nach einer Übersetzung fragen. 

Ein kleiner Nachtrag: eine Übersetzung muss ich glücklicherweise nicht einreichen.

Gemütliche Hippoabende bei meiner Gastfamilie

Hippomitglieder
Jeden Freitagabend veranstalten meine Gasteltern bei sich zu Hause ein Hippomitgliedertreffen mit Essen und Trinken, welches jeder mitbringt und dann auf dem Tisch serviert. Es wird gemeinsam in großer Runde gegessen und über alles Mögliche geplaudert. Wenn dann wieder die Selbstvorstellungsrunde in verschiedenen Sprachen beginnt, bin ich immer wieder aufs Neuste überrascht wie schnell die Hippomitglieder eine Sprache lernen können. Seit meiner Ankunft hier in Hiroshima bringe ich ihnen zahlreiche Wörter (wie Prost, Guten Appetit u.a.) auf deutsch und vietnamesisch bei und sie prägen sie sich richtig schnell ein. Von ihnen lerne ich auch jedes Mal neue Wörter kennen. Danach heißt es meistens die Thesen vom Hippogründer, Yo Sakakibara, analysieren und hinterfragen. Für mich meist sehr anstrengend mitzuverfolgen, weil ich bei den Gesprächen so gut wie nichts verstehe und seine Argumente sehr schwer zu durchblicken sind. Dabei lesen alle gemeinsam einzelne Passagen vom Buch laut vor.

Das Hippobuch
Eine seiner Thesen ist zum Beispiel, dass man eine Sprache am Besten erlernen kann, wenn man sie wie ein Kleinkind nachspricht, das heißt, man solle Geschichten nur mithilfe des Gehörs und der Aussprache verstehen lernen und dadurch an Sprachkenntnissen gewinnen. So machen wir das auch in den anderen Gruppen immer: Eine Geschichte wird vorgespielt und man muss parallel zum Text mitsprechen, wo man sich zuvor aber eine verständnisvolle Übersetzung eingeprägt hat. Und zum Abschluss eines Hippoabends tanzen wir meist noch einen chinesischen Tanz und wir machen noch einige Auflockerungsspiele, wie zum Beispiel: Jemand sagt ein Kleidungsstück auf eine andere Sprache und alle Betroffenen müssen rennen und der/diejenige, der/die am langsamsten war, muss als Nächstes einsetzen. Viele der Hippomitglieder sind sehr offene und liebenswerte Menschen, und mir macht es jedes Mal sehr viel Spaß und Freude bei ihnen sein zu können.