Sonntag, 3. März 2013

Kyoto


Hallo meine Lieben!

Nun bin ich wieder zu Hause. Der viertägige Ausflug nach Kyoto ist mehr als anstrengend gewesen, nicht nur, dass das Wetter uns jeden Tag in Erstaunen versetzt hat, auch die Preise sind zum Zähneknirschen gewesen. Am ersten Tag hat uns die Sonne mit warmen Temperaturen um die 17°C glücklich gemacht, am nächsten Tag jedoch Frust mit ihrem Nicht-in-Erscheinung-Treten und sehr viel Regen. Am dritten Tag sind bei mir Wintergefühle hochgekommen, da es oft geschneit hat und die Temperaturen um den Nullpunkt Zähneklappern auslöst haben. Übrigens kann ich mich nur gerne wiederholen, dass Japan unglaublich teuer ist! In den vier Tagen bin ich locker 150€ für das Sightseeing, Essen und kleine Souvenire für die Daheimgebliebenen losgeworden. Übernachtet habe ich glücklicherweise bei der lieben Monika-san, einer lieben Hippofreundin, die ich beim Ninoshima Gasshuku kennengelernt habe. Ihre Familie kommt ursprünglich aus Nordkorea, sie selber ist aber Japanerin. Am letzten Tag hat sie mich in ein Hanbok gekleidet, einem traditionellen koreanischen Gewand und mir während des Aufenthaltes sehr viele koreanische Wörter beigebracht. Zu Kyoto: Ich liebe diese Stadt! Kulturell und historisch ist sie mit ihren zahlreichen Schreinen, Tempeln, Palästen und Zen-Gärten sehr bedeutend, aber auch die Menschen, die ich kennengelernt habe, sind sehr herzlich und freundlich gewesen, so dass mir der Abschied wieder etwas schwergefallen ist.


Tag 1

Fushimi Inari - Taisha, Kiyomizu-dera

Zahlreiche O-torii-Alleen
Liebesstein
Sehr beeindruckend waren die vielen O-toriis auf dem Gelände des Fushimi Inari-Schreins. Eine genaue Zahl (ich tippte auf 5000) fand ich leider nicht heraus, doch führten diese Alleen einen Berg hinauf zum Shintō-Schrein. Mit einer ordentlichen Spende könnte sich jedermann/ jedefrau mit einem eigenen Tor an diesem Ort verewigen, nur würde das Wiederfinden schwierig werden! Auf dem Kiyomizu-dera-Komplex genossen wir später die wunderschöne Sicht von der Terasse aus auf die Stadt. Der Otowasan Kiyomizudera war für seine Balkenkonstruktion sehr berühmt. Natürlich verschlug es mich ebenfalls zum Jishu-jinja, wo sich ein Paar "Liebessteine" befanden. Laut Legende werden sich die Personen verlieben, die mit geschlossenen Augen den Weg von einem Stein zum anderen finden.

Tag 2

Ginkaku-jin, Universität Kyoto, Nishikimarkt, Gion, Tojitempel, Hippo Family Club
Silberner Pavillion
Kodo (Halle) des Tojis
Am nächsten Tag ging es zum Ginkaku-jin (Silberner Pavillion). Wirklich fasznierend fand ich die Steingärten und die wunderschöne Umgebung. Zur Kirschblütenzeit wäre dieser Ort sicherlich ein noch schönerer Genuss für die Augen als bei meinem Aufenthalt, wo es anschließend auch zu regnen anfing. Anschließend besuchten Angela-san und ich die Universität Kyoto. Mir schwirrten als angehende Studentin bereits einige Gedanken im Kopf, in Zukunft ein Semester möglicherweise in Japan zu studieren. Erste Eindrücke hatte ich mir mit dem Besuch bereits machen können. Zur Mittagszeit verschlug es uns dann zum Nishikimarkt, einer langen Straße, wo viele regionale Lebensmittel aus Kyoto angeboten wurden. Selbstverständlich probierte ich von vielen Dingen ein wenig, aber meine geliebten Takoyakis aß ich in Standardgröße. Mit dem Bus fuhren wir anschließend zum Stadtviertel Gion, welcher für seine Geisha-Kultur bekannt war, und danach zum Toji-tempel, wo mich der Eintrittspreis anfangs recht abgeschreckt hatte. Umgerechnet 7€ musste ich bezahlen, allerdings zahlte sich der Anblick der vielen Shingon-Buddhismus-Statuen völlig aus. Auch die größte Pagode Japans mit einer Höhe von 57 Metern war bemerkenswert, denn innen zeigten vier verschiedene buddhistische Statuen in die verschiedenen Himmelsrichtungen. Die Wände waren zudem mit detaillierten Gemälden beschmückt. Nur das Wetter machte uns wieder einen Strich durch die Rechnung. Plitschnass ging ich zu Monika-sans Hippo Club, wo ich wieder sehr nette Menschen kennenlernen konnte. Zum Abendessen gab es Okonomiyaki, diesmal die Variante aus Kyoto ohne Nudeln.


Tag 3

Kinkaku-jin, Arashiyama, Yasaka-jinja, Chion-in, Kyoto Hauptbahnhof

Goldener Pavillion
Sagano

Ein wenig erschöpft vom gestrigen Abend war an diesem Tag wieder volles Programm angesagt. Die eisigen Temperaturen und der vereinzelte, dennoch starke Schneefall brachte mich fast zur Weißglut, denn ich war absolut nicht darauf vorbereitet gewesen. So bibberte und zitterte ich den gesamten Tag. Unsere erste Station hieß Kinkaku-jin, der Goldene Pavillion. Ein wirklich toller Ort, sehr idyllisch und natürlich funkelten die oberen Stockwerke des buddhistischen Tempels wunderschön gülden. 1950 zerstörte allerdings ein Feuer (durch Brandstiftung) das Gebäude, woraufhin es wieder aufgebaut wurde. Im Anschluss fuhren wir nach Arashiyama, um den Sagano Bambuswald zu besichtigen. Das war mein absolutes Highlight! Ich war überwältigt vom Anblick der hohen Gewächse, besonders wie sie sich durch den starken Wind in alle Richtungen bewegten. Später fuhren wir erneut in den Stadtviertel Gion, um einige Einkäufe zu erledigen und den Yasakaschrein zu besichtigen, der mit seiner auffälligen Farbe jährlich viele Besucher anlockte. Da Angela-san an diesem Abend wieder nach Hiroshima zurückfuhr, brachte ich sie noch zum Hauptbahnhof, wo wir gemeinsam zu Abend aßen. Dabei entdeckten wir im oberen Teil des kolossalen Gebäudes eine riesengroße Treppe, die mit Scheinwerfen beleuchtet wurde. Die Herausforderung, hochzulaufen, nahm ich an und ich war froh, von oben ein letztes Mal auf die Stadt zu blicken. Es machte so viel Spaß in Kyoto, vier Tage waren wirklich sehr knapp, um die Stadt vollends zu erkunden. Allerdings hoffe ich natürlich in Zukunft Kyoto noch einmal besuchen zu können!

Furisodekimono

Am Mittwoch war es endlich soweit: das Fotoshooting im Furisodekimono und Ballkleid. Insgesamt dauerte es drei Stunden, in denen ich ebenfalls frisiert und geschminkt wurde. Zum Kimono wurden meine Haare hochtoupiert und mit wuchtigen Blüten geschmückt. Diesmal konnte ich sogar ein wenig Bauchatmung betreiben. Zum schwarzen Ballkleid wurde mir eine Perücke aufgesetzt, die extrem pompös wirkte. Ich war im Glauben für eine kurze Zeit ins barocke Zeitalter zurückversetzt zu werden. Von den vielen geschossenen Bildern blieb am Ende leider nur 1 übrig, was ich euch nicht vorenthalten möchte. Ich entschied mich selbstverständlich für das Bild im Furisodekimono. Es war zwar schade, aber die Erinnerung an das Erlebnis zählte! :)  Ein riesengroßes Dankeschön an meine lieben Sensei!

Nachtrag (11.03.2013): Ich konnte es nicht glauben, als die Sensei mir am heutigen Tag ein Buch überreicht hatten, welches drei Kimonofotos enthielt. Ich war sprachlos vor Freude! :)

Dienstag, 26. Februar 2013

Iwakuni + Hina Matsuri

Gleich zwei Blogeinträge hintereinander gibt es diesmal von mir! Am Sonntag verbrachte ich den wunderschönen und sonnigen Tag mit Freundinnen in der Stadt Iwakuni, die in der Nachbarpräfektur Yamaguchi mit dem Auto eine Stunde entfernt lag. Auf dem Weg dorthin machten wir zunächst einen Zwischenstopp im (meiner Meinung nach) schönstem Restaurant, dem Sanzoku, welches von Wasserfällen, Bäumen, Blumen und Brücken umgeben war. Zur Kirschblütenschau Hanami wäre dieser Ort sicherlich perfekt, bei den vielen Kirschbäumen!

Im Sanzoku
Die Sitzgelegenheiten befanden sich draußen und an jedem Tisch gab es sogenannte Kotatsus ("Tischheizung"). Wir genossen das leckere Essen - Hühnchenspieß mit einem kolossalen Reisball - unter blauem Himmel und fuhren anschließend zur Kintaikyobrücke. Zunächst sollte es jedoch zur Puppenschau gehen. Am dritten März findet nämlich jährlich das Hina Matsuri ("Mädchenfest") statt. Bereits jetzt dekorierten viele Menschen ihre Häuser mit den beeindruckend hübschen Puppen und luden die Besucher ein, sich ihre Häuser anzugucken. Sichtlich erstaunt war ich von der Vielfalt und der Fülle der Puppen, die traditionelle Kimonos trugen. Man sagte, die Puppen beschützten ihre Besitzer, in dem sie böse Geister in sich einschlössen. Sie sollten von Generation zu Generation weitergeben werden. Danach überquerten wir die Kintaikyobrücke, die im Jahre 1673 erbaut worden war. Ihre fünf Bögen überspannten den Fluss und die Form ähnelte einer Schlange, was sie sehr sehenswert machte. Im Jahre 1950 wurde sie jedoch von dem Taifun Kijiya zerstört und drei Jahre später wieder rekonstruiert. 
Kintaikyobrücke
Auf der anderen Seite der Brücke angekommen war erst einmal Eisessen angesagt. Doch eine Sorte von Hunderten zu finden, war mehr als schwer :) Danach besuchten wir zwei Museen (Schlangen- und Stadtmuseum), genossen die schöne Umgebung mit einem gemütlichem Spaziergang und besuchten zum Schluss noch ein kleines Café. 

Hm? Welche Eissorte soll ich nehmen?
(Bild von Tina-san)
O-Hina-sama
(Bild von Tina-san)




















Morgen also das Fotoshooting und am Donnerstag wird es für vier Tage nach Kyoto gehen! Ich freue mich! Eure Phu

Friedensfestival und Abendessen mit den KollegInnen

Hallo ihr Lieben!
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wohl ich mich im Moment fühle. Nicht nur das tolle Frühlingswetter (Sonnenschein und 10°C) ist dafür verantwortlich, sondern die Ereignisse der letzten Tage tragen ebenfalls dazu bei. Ein Rückblick auf die Geschehnisse:

Mittwoch, 20.02.2013

Ein ganz normaler Arbeitstag im Kindergarten - dachte ich am Anfang, doch während des Mittagessens kam Emiri-sensei zu mir und meinte, ich sollte mich ausgehfertig machen, denn der Enchou-sensei (Chef) wartete auf mich, um mir eine Überraschung zu zeigen. Leicht aufgeregt und unwissend, was mich nun erwarten würde, fuhr ich mit ihm ins "Aeon-Mall". Als wir ein Kimonogeschäft betraten und ich von der Überraschung erfuhr, war ich komplett sprachlos: Die Sensei hatten nämlich vor, mir zum kommenden 20. Geburtstag ("Volljährigkeit") ein Fotoshooting in einem hochwertigen Furisodekimono und in einem Ballkleid zum Geschenk und mir damit eine Freude zu machen. Das war ihnen auch wirklich sehr gelungen, denn meine Begeisterung war kaum zu fassen und ich war ihnen für dieses Geschenk sehr dankbar. Zu meiner Volljährigkeitsfeier im Januar konnte ich leider kein Furisodekimono tragen, was die Sensei ebenfalls schade fanden, doch nun sollte ich diese Möglichkeit bekommen. Am 27.02.2013 wird das Fotoshooting stattfinden und ich freue mich schon tierisch darauf!

Donnerstag, 21.02.2013

Am Nachmittag habe ich mich erneut mit dem "Junior Writer Team" in der Chugoku Shimbun getroffen, um für das kommende Friedensfestival Peace Smile Festa Ende März weiter zu planen. Zu dieser Veranstaltung sind zahlreiche Gäste und Schulen eingeladen worden, um Diskussionen, Präsentationen und Workshops über Frieden zu halten. Die Hauptattraktionen sollen ein Video und ein riesiges Friedensbild werden, welche die Besucher selbst gestalten. Viele verschiedene Stände, unter anderem auch der Salamstand (siehe Blogeintrag "Chugoku Shimbun") und andere Fair-Trade-Stände werden an dem Tag viele Gegenstände anbieten. Auch Bastelstände wird es geben, wo die Gäste Origamikraniche und andere Friedenssymbole falten können. Nur für dieses Fest haben wir unsere eigenen Getränkeflaschen für die Besucher designt, wo unsere Gesichter als Karikatur abgebildet worden sind. Für das Mittagessen wird es leckeren Okonomiyaki und süßes Gebäck geben. Unter anderem ist die liebe Anika von den Redakteuren eingeladen worden, "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" auf englisch vorzustellen. Sie wird um 4 Uhr in der Frühe (Ortzeit Deutschlands) per Skype live eingeschaltet. Ich bedanke mich nochmal in aller Form bei dir, liebe Anika! xD Nicht jeder würde so früh aufstehen wollen haha! Über das Friedensfestival soll später in den lokalen Medien berichtet werden.

Samstag, 23.02.2012

An diesem Abend fand ein großes Dinner im Kindergarten mit dem Kollegium statt.  Zunächst ließen wir die letzten Monate Revue passieren und sprachen sowohl über Verbesserungen als auch über Veränderungen. Anschließend hielt der Enchou-sensei eine emotionale Rede, wo mir beinahe Tränen geflossen wären. Das gemeinsame Abendessen war ebenfalls eine Art Abschiedsfeier für mich, denn in weniger als drei Wochen sollte ich bereits nach Tokyo zum Zwischenseminar aufbrechen. Ich hatte die KollegInnen und Kinder längst in mein Herz geschlossen und erlebte mit ihnen eine so wundervolle Zeit! Die Sensei bereiteten Onabe, ein Eintopfgericht vor. Dieses enthielt Würstchen, Schweinefleisch, Hackbällchen, Sojasprossen, Tofu, Chinakohl, Pilze, Nudeln und es gab dieses Gericht in drei Geschmacksrichtungen: einmal salzig, mit Schweinefleischgeschmack und Sojasoßengeschmack. Es war recht fleischlastig, vor allem schmeckten die Würstchen völlig anders als in Deutschland: auf irgendeine Weise fettig und salzig. Selbstverständlich bereite ich ebenfalls etwas vor, und zwar (wen überrascht es noch? :D) Sommerrollen, die sehr gut ankamen und einen guten Ausgleich zum Fleischverzehr darstellten. Ein wundervoller und unvergesslicher Abend war das!
Das gesamte Team

Montag, 18. Februar 2013

Japanische Teezeremonie

Hallöchen! 
Letzte Woche Sonntag fand die langersehnte Teezeremonie statt, die ich zusammen mit einigen Freundinnen besucht hatte. Vor lauter Aufregung konnte ich die Nacht davor kein Auge zudrücken, denn ich bekam zusätzlich die Möglichkeit, einen graziösen Kimono zu tragen. Allerdings hätte ich am nächsten Morgen beinahe verschlafen und somit verlief alles recht hektisch. Bereits um halb acht kamen Melissa-san, Angela-san, Tina-san, Mori-san und LeeMay-san vorbei, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. Schnell das Frühstück hinuntergeschlungen, ging es schnurstracks ins Tatamizimmer, wo unsere Kimonos fertig zum Anziehen bereit lagen. Ich trug übrigens einen Iromuji (bedeutet: einfarbig) von Tina-san in der Farbe altrosa, welcher hauptsächlich für Teezeremonien verwendet wurde. Mir war bereits bewusst, dass das Anziehen eines Kimonos seine Zeit bräuchte, doch hätte ich nicht damit gerechnet, dass es dermaßen kompliziert wäre. Der Kimono bestand aus mehreren Schichten, die mit etlichen Bändern und Klammern festgemacht und festgebunden wurden. Zuerst trug ich ein Unterkleid und einen weißen, langen Rock. 

Beim Ankleiden
Im Anschluss folgten Kimono und Obi, ein breiter, farbprächtiger Gürtel, der am Ende alles zusammenhielt. Das kniffligste an der Sache war das Falten, doch unsere "Meisterin Melissa" bekam es perfekt hin, ohne auch den knappen Zeitplan zu missachten. Dazu trug ich knöchelhohe Socken mit abgetrenntem Zehbereich, genannt Tabi, und (nicht-)passende Zōri (Sandalen), denn die Hälfte meines monströsen Fußes guckte am Ende raus. Von Mori-san erhielt ich noch Blumen für die Steckfrisur, einen Fächer und ich bekam ebenfalls von meiner Okaa-san noch weißes Papier zugesteckt, womit ich zuerst nichts anzufangen wusste. Einen Kimono zu tragen, war eine ausgesprochen großartige Erfahrung für mich, auf der einen Seite die japanische Tradition zu erleben und auf der anderen Seite anmutig und elegant auszusehen. Für eine kurze Zeit fühlte ich mich wie eine Japanerin, wobei ich auch bemerkt hatte, dass ich in dem Kimono schnell an meine Grenzen gelangte, denn das Treiben von normaler Bauchatmung war schier unmöglich! Mit dem Auto fuhren wir anschließend in die Region Hatsukaichi und selbst das Einsteigen und Hinsetzen waren dermaßen schwer, dass meine Ächzer der einer, kurz vor der Geburt stehenden Frau glichen. Am Teehaus angekommen, beschritten wir zunächst einen wunderschönen, gepflegten Gartenpfad Roji, der uns laut Tina-san aus dem Alltagsleben entzöge.
Im Wartezimmer
(Bild von Tina-san)
Nach der Begrüßung geleitete uns die Hausherrin in dessen Wartezimmer, wo wir von ihrer Helferin heißes Wasser serviert bekamen. Der Raum war außerdem mit zahlreichen Puppen für das kommende Hina Matsuri (Puppenfest) dekoriert. Wieder zurück auf dem Gartenpfad ging es im Anschluss in Richtung Teezimmer, doch zuvor reinigten wir unsere Hände und Münder an einem kleinen Wasserbrunnen. Vom Eingang des Teezimmers war ich dermaßen überrascht, denn dieser maß nur knapp einen Meter! Wie hieß es immer: Kopf runter und durch? Leichter gesagt als getan, denn die Praxis war schon kniffliger! Nicht nur, dass mein Obi am oberen Rahmen ständig hingen blieb, sondern dass sich auch mein Kimono vorne leicht löste, ließ es mich also auf die Knie fallen und ich krabbelte ins Teezimmer. Das symbolisierte Respekt, Demut und ließ die gesellschaftlichen Unterschiede beim Betreten vollkommen außer Acht. Das schlichte Teezimmer war mit Tatamiboden ausgestattet und in der Mitte des Raumes war eine Feuerstelle mit einem Wasserkessel im Boden niedergelassen. Die benötigten Utensilien wie Bambusbesen, Teedose, Holzkelle und Keramikschalen lagen daneben zum Einsetzen bereit. Die Hausherrin begrüßte uns nun mit einer Verbeugung und begann mit der Zeremonie.
Die Teezeremonie
(Bild von Mori-san)
Um das grob zusammenzufassen, bereitete sie den Grünen Tee mit vorgeschriebenen, kunstvollen Handgriffen zu, in dem sie zum Beispiel das Teepulver mit heißem Wasser aufgoss und mit dem Besen leicht schaumig rührte. Dazu wurden sehr süße Speisen gereicht als Ausgleich zum "bitteren" Teegeschmack. Hier kam nun auch mein weißes Papier zum Einsatz, welches als Teller diente. Das alles hatte eine ganz bestimmte Reihenfolge zu beachten und vor dem Trinken wurde der Satz "Otemae chodai itashimasu" ("Danke für die Teezubereitung") mit einer tiefen Verbeugung zu der Hausherrin gesagt. Bei der Teezeremonie herrschte absolute Ruhe, doch als mir der Satz vor Aufregung entfiel, sorgte ich zusätzlich für einige Lacher. Nur aus zwei Schalen wurde getrunken, weshalb die Hausherrin jedes Mal nach der Benutzung diese mit einem heißen Tuch sauber wischte. Insgesamt dauerte die Teezeremonie knapp eine Stunde und war vom Aufwand her einfach, denn sie könnte sich auch über einen gesamten Tag ziehen. Wir bedankten uns bei der Hausherrin und fuhren anschließend in ein Restaurant nahe der Miyajimainsel. Die nächste Hürde ließ sich zudem nicht lange warten, denn ich musste nach dem Teegenuss irgendwann auf die Toilette. LeeMay-san zeigte mir überaus lustige Wurftechniken für den Kimono und somit war die Herausforderung nicht mehr allzu schwer, doch wirklich viel Essen konnte ich ebenfalls nicht zu mir nehmen, nicht dass der bereits enge Kimono platzen würde. Im Anschluss ging es in die Berge zu einer wunderschönen Tempelanlage, um den restlichen Tag ausklingen zu lassen. Die ersten Bäume trugen bereits ihre Blüten und Wasserfälle zeichneten die Umgebung aus. In einem kleinen Café mit Ausblick über die Wälder genossen wir Zenzai und fuhren danach nach Hause. Alles in allem war es ein unvergesslicher und großartiger Tag!


Reinigen der Hände
Auf dem Weg zum Tempel

Sonntag, 10. Februar 2013

Eindrücke von der Shikokuinsel

Hallöchen!

So vergingen wieder vier wunderschöne Tage wie im Fluge. Diesmal ging es mit meinen Gasteltern über die Seto-Ōhashi-Brücke auf die Shikokuinsel, die kleinste der vier Hauptinseln Japans, um zwei Hippofamilien zu besuchen. Shikoku ist unter japanischen Pilgern in aller Munde, denn wer es schafft den 1200 km langen Pilgerrundweg zurückzulegen, erhält nach buddhistischem Glauben die Eintrittskarte in das Paradies. Am ersten Tag ging es für uns in die Präfekturhauptstadt Tokushima, wo wir neben dem Hippo Family Club auch ein Awa-dori-theater besucht hatten.
Awa-dori-Tanz
Trommel- und Flötenklängen erfüllten den Raum. Mit "Yatto sa!" ("Endlich ist es soweit!") hörte man es von überall her rufen. Tanzgruppen hatten nämlich in traditionellen Kostümen den Awa-dori-Tanz performt und wir Zuschauer wurden selbstverständlich dazu animiert mitzumachen. Am Ende erhielt ich sogar eine Urkunde und ein kleines Präsent. Am nächsten Tag brachen wir auf, um in die Stadt Kotohira, Kagawapräfektur, zu fahren. Wieder erwartete uns eine Hippoveranstaltung, bei der ich viele neue Kontakte knüpfen konnte. Eine Besonderheit war der Besuch des Shinto-Schrein-Komplexes, dem Kotohira-gū.
Kotohira-gu
Um dort erstmal hinzugelangen, musste ich 785 steinerne Stufen überwinden, allerdings zahlte sich diese Bemühung vollends aus. Fasziniert von der Natur und den Schreinen, beteten wir anschließend und genossen den Ausblick, denn der Schrein lag wortwörtlich in den Wolken. Auf dem Rückweg besuchten wir ebenfalls das älteste erhaltene Kabuki-theater, das Kanamaruza. Ein freundlicher Herr ermöglichte uns Einblicke hinter die Kulisse und schilderte uns den Ablauf einer Veranstaltung. Mich faszinierten vor allem die Eingänge, die auch nezumi-kido ("Mausloch"), genannt werden. Um die Menschenmassen beim Einlass besser im Überblick zu halten, ermöglichten die kleinen Türen, dass kein Chaos entstand. Ob groß, ob klein, jeder muss sich bücken!
Kanamaruza
Seit langem aß ich auch an dem Tag wieder Kartoffeln mit Sauerkraut. Meine Gastfamilie aus Kotohira bereitete nämlich ein deutsches Abendessen vor, welches ich mit großer Freude zu mir nahm, denn in den letzten Tagen ernährten wir uns ausschließlich von Udon, einer geschmacksneutralen Nudelsuppe. Die dicken Weizennudeln verfolgten mich bereits in meinen Träumen!

Sonntag, 3. Februar 2013

Smogalarm + Setsubun

Smogverbreitung über Ostasien
(Bild: Eigentum der Chugoku Shimbun)
In der heutigen Chugoku Shimbun beunruhigte mich dieser Artikel über den starken Smog in China, der nun mit dem Wind ebenfalls nach Japan gebracht wird. In den letzten Wochen wurde in den Nachrichten häufig davon berichtet, dass der Smog dort alarmierende, gesundheitsgefährdende Werte erreicht hatte und die Menschen dort sehr unter Atemprobleme, Übelkeit und Magenschmerzen litten. Beinahe der gesamte ostasiatische Raum ist neuerdings davon betroffen, weswegen ich mir auch einige Sorgen mache. In der Abbildung ist gut zu erkennen, wie dramatisch und kritisch das Ausmaß der Luftverschmutzung zugenommen hat (Roter Bereicht). Hiroshima liegt im orangenen Bereich, welcher ebenfalls auf eine hohe Luftbelastung hindeutet. Zwar habe ich noch keine gesundheitlichen Auswirkungen gespürt, doch besonders für Kinder und ältere Menschen könnte es gefährlich werden. Ich erinnere mich außerdem an den Ausflug in die San-in-Region im November, wo uns der Guide "George" erzählt hat, dass viele  Bäume im nordwestlichen Teil Japans unter der Luftverschmutzung aus China, Nord- und Südkorea zu leiden haben und absterben. Währenddessen er uns die Konsequenzen schilderte, zeigte er auf zahlreiche kahle Waldstellen. Laut ihm sei das Pflanzensterben nicht zu stoppen, solange auch die Nachbarländer ihre Kohlekraftwerke und Fabriken nicht drosseln beziehungsweise absetzen.  Ich für meinen Teil denke, dass vor allem China langfristig eine alternative Wärmeversorgung zu Kohle finden und der Schadstoffausstoß unbedingt verringert werden muss!

Setsubun ( 節分 )

Mit dem heutigen Tag begrüßen wir den Frühling, denn das Setsubunfest kennzeichnet den Wechsel der Jahreszeit. Ich kann es zwar immer noch schwer glauben, da wir nämlich erst Februar haben und ich den Frühlingsanfang Ende März gewohnt bin. Allerdings haben wir bereits Temperaturen um die 16°C und wirklich Wintergefühle sind bei mir nicht hochgekommen (bei all den grünen Bäumen ist das auch nicht verwunderlich!).  Den Tag habe gemeinsam mit einigen Hippos und vietnamesischem Essen genießen können. Tina-san hat zudem als Präsent eine leckere, aber mächtige Schokotorte mitgebracht. Was außerdem auf keinen Fall gefehlt hat: das Bohnenwerfen und die Teufelsaustreibung! Denn wer sich an diesem Tag vor Bösem schützen und das Glück ins Haus holen möchte, sollte den Ruf „Oni wa soto! Fuku wa uchi“ (zu deutsch: Dämonen heraus, Glück ins Haus) laut aussprechen und dabei mit getrockneten Sojabohnen werfen, um die bösen Geister zu verjagen. Taro-chan hat sich übrigens als „Oni“ verkleidet und all die Bohnen abbekommen. Hach, es ist sehr lustig gewesen! ^_^

Taro-chan als Oni ;)

Eure Phu und ab morgen geht's zur Shikokuinsel mit meinen Gasteltern! Ich freue mich!

Sonntag, 27. Januar 2013

Fukuoka und Ninoshima Gasshuku

Halihalo! 
An den letzten beiden Wochenenden fanden "Gasshukus" von Hippo statt (Gasshuku 合宿 heißt übersetzt "Wochenendfreizeit"). Letzte Woche in der, auf der Südinsel Kyushu liegenden Stadt Fukuoka und diese Woche auf der Insel Ninoshima, unweit von Hiroshima entfernt. Die Hippos veranstalten pro Stadt zweimal jährlich ein großes Event mit Seminaren, Workshops und vor allem mit ausgiebigem Alkoholkonsum. Ziel dieser Gasshukus ist es, dass viele verschiedene Hippogruppen, auch aus anderen Präfekturen, zusammenkommen und sie sich über ihre Auslandserfahrungen, Erlebnisse und Wünsche mit Hippo einander austauschen und selbstverständlich gemeinsam zu feiern. Da diesmal sogar eine Übernachtung auf dem Plan stand, war ich besonders neugierig auf die Wochenenden: In Fukuoka traf ich wieder auf einige Freunde und meine Gastschwester, mit denen ich im Dezember zusammen nach Südkorea gefahren war. Überraschenderweise fand dieses Camp auf einer Sportanlage statt und neben den vielen Hippos sah ich auch etliche Jugendliche beim Fußball-und Rugbytraining. Die Umgebung war sehr idyllisch: viele Bäume, Wiesen, Flüsse und Berge. Ich empfand das alles als eine Art Klassenfahrt, denn unsere Absteige stellte uns Hochbetten (12x in einem Raum!), eine Kantine und Aufenthaltsräume zur Verfügung. Das Programm fing mit Sprachspielen der Kinder an, ging weiter mit Selbstvorstellungen und "Hippobingo". 
Die letzte Nummer wird vergeben.
Das war lustig hihi. In neun Feldern musste ich diverse Sprachen niederschreiben und anschließend den Hippotonbändern zuhören. Wenn eine aufgeschriebene Sprache auch tatsächlich wahrgenommen wurde, konnte ich sie durchstreichen. Sobald ich drei in einer Reihe besaß, hatte ich es geschafft :) Die ersten 18 Personen erhielten daraufhin eine Nummer und konnten sich anschließend ein verpacktes Präsent aussuchen. Hier hatte ich dann auch meine Tageslektion gelernt, dass nicht alle großen Dinge wertvoll sein müssen :D Die Nummer 11 in die Hand gedrückt bekommen, rannte ich zum Vergabestand und suchte mir ein groooooßes Geschenk aus. Blöd nur, dass es am Ende ein Tischtuch war (schmoll). Akaringo-chan gewann ebenso beim Bingo und hatte das Glück ein kleines, mit orientalischen Strickereien bestücktes Täschchen bei den vielen Geschenken herauszupicken.
cheese :)
Womit ich allerdings nicht gerechnet hätte, war die Tatsache, dass ich zusammen mit meiner Okaa-san auf die Bühne gerufen wurde. Etwas holprig erzählte ich ihnen auf japanisch von meinen Erlebnissen mit Hippo. Peinlicherweise trugen wir beide zudem noch die gleiche Strickjacke. Ich könnte schwören, dass sie mir absichtlich am Morgen ihr Oberteil nicht zeigen wollte, um als perfektes Duo auftreten zu können. Zwei Wochen zuvor gab es bei Gate nämlich einen satten Rabatt auf Winterkleidung und da wir beide die Strickjacke toll fanden, hatte sie sich jeder von uns gekauft (von umgerechnet 70€ auf nur noch 9€). Meiner Okaa-san noch daraufhingewiesen, dass ich Partnerlooks eher abstoßend finde, gab sie mir das "Versprechen" diese Jacke nicht zum Gasshuku zu tragen, aber fehlgeschlagen. Allerdings nahm ich es ihr nicht sonderlich übel :) Zwar sorgten wir ein wenig für Aufschrei, aber am Ende fand ich es sehr amüsant. Neben den Hippos bescherten uns auch StudentInnen aus Südkorea und China viel Freude und leider auch, als es um die Nachtruhe ging, Kopfzerbrechen. Bei der Trinkfeier am Abend amüsierte ich mich mit der sympathischen Su-chan (China) und Mi-chan (Südkorea), währenddessen die anderen koreanischen Mädels heftig am Flirten waren. Der japanische Student Aki hatte nämlich den Mädels völlig den Kopf verdreht, so dass sie bis spät in die Nacht darüber diskutieren mussten, wie sie am besten bei ihm Eindruck erwecken könnten. Am nächsten Morgen gab es ein ähnliches Programm, welches wir dann mit einem Gruppenfoto abschlossen.

Mit großer Freude sah ich das nächste Wochenende entgegen, denn es ging zur Insel Ninoshima. Zuerst war ich ein wenig besorgt bezüglich der Fährenfahrt (hach ja, die "tolle" Fahrt nach Südkorea), aber zum Glück hatten wir keinen hohen Wellengang. Drüben angekommen war ich hin und weg von der Landschaft: vieles naturbelassen und der wunderschöne Blick auf die vielen, anderen kleinen Inseln. 
 Blick von Ninoshima aus
Wieder erinnerte mich unsere Unterkunft an eine Jugendherberge, aber diesmal waren die Räumlichkeiten auf viele Häuser verteilt. Das ständige Schuheanziehen und -ausziehen ging mir nach kurzer Zeit schon tierisch auf den Senkel, da es an beiden Tagen ziemlich kalt war und ich so schnell wie es ging ins Warme wollte. Außerdem schliefen wir dieses Mal auf gemütlichen Futons in einem beheizten Raum, welchen wir uns zu sechst teilten. Die Veranstaltung verlief ähnlich wie das Wochenende zuvor in Fukuoka: begonnen mit Spielen und Tänzen für die Kleinen in der Sporthalle, Selbstvorstellungen, Präsentationen und nicht zu vergessen das Trinkgelage am Abend, welches sich laut meiner Okaa-san bis um 05:00 Uhr hinzog. Diesmal war ich sogar vorbereitet ein zehnminütiges Referat zu halten und einige Workshops anzuführen. An diesem Wochenende lernte ich zudem auch die liebenswerte Kozue-chan kennen, die mit ICYE Japan für ein Jahr nach Costa Rica ging und nun auch zu den Hippos gehörte. Es war sehr toll, da sie vor allem auch meine bisherigen Erlebnisse viel besser einschätzen und mich in bestimmten Situationen verstehen konnte :) Wirklich unvergessliche Wochenenden waren das! Übernächste Woche geht es für vier Tage auf die Shikokuinsel! Juhu!

mit meiner Okaa-san
(Bild von Tina-san)

Hiroshima Gasshuku
(Bild von Mori-san)
P.S.: Mir wird langsam bewusst, wie schnell die Zeit doch vergeht. Es sind nur noch knapp sieben Wochen in Hiroshima bevor ich nach Tokio zum Zwischenseminar von ICYE aufbreche. Ich möchte ehrlich gesagt meine Gastfamilie, FreundInnen, KollegInnen und Hiroshima nicht verlassen :( 

Montag, 14. Januar 2013

Seijin no hi - Tag der Erwachsenen

Hallo ihr Lieben!

Für alle 20-Jährigen in Japan beginnt nun der Ernst des Lebens, denn am heutigen Tag feiern sie den Beginn ihrer Volljährigkeit! Jeden zweiten Montag im Januar wird eine Zeremonie, die Seijin-shiki, für junge Leute, die ihren 20. Geburtstag zwischen dem 2. April des vergangenen und dem 1. April des gegenwärtigen Jahres haben, veranstaltet und da auch ich bald 20 werde, durfte ich bei dieser teilnehmen :) Übrigens, im Gegensatz zu Deutschland erhalten die jungen Leute mit 20 Jahren das aktive Wahlrecht, aber auch erst jetzt dürfen sie offiziell rauchen und Alkohol trinken.

Am heutigen Tag hieß es für mich früh aufstehen, denn ich sollte bereits um 10:45 Uhr an der Veranstaltungshalle sein, die 20 Minuten mit dem Auto vom Haus entfernt lag. Nach einem leckeren Frühstück zog ich mir mein weißes Rosenkleid an und richtete meinen Haardutt her. Apropos tragen die jungen Frauen für die Zeremonie fast alle einen traditionellen Kimono in hellen, bunten Farben mit langen Ärmeln, den furisode, einem Merkmal für unverheiratete Frauen, und die Männer dagegen einen dunklen Anzug. Zwar hätte ich auch die Möglichkeit gehabt, einen Kimono von Sugar-san zu tragen, doch da sie im Moment sehr beschäftigt war, konnten wir uns leider nicht treffen und außerdem hatte es heute geregnet. Sugar-sans Kimono hatte laut meiner Okaa-san einen Wert von 3000€ und wenn ich den dreckig gemacht hätte, dann wäre die Beziehung mehr als schlecht haha. Allerdings werde ich im Februar die Hoffnung haben, den Kimono zu tragen und einige Bilder machen zu können! :) 
vor dem SunPlaza
Die Veranstaltung fand im "Hiroshima - SunPlaza" statt und als ich mit meinen Gasteltern dort ankam, konnte ich das Aussehen vieler junger Frauen bewundern, die die umwerfendsten Kimonos in allen möglichen Farben getragen hatten: rot, pink, gelb, grün, blau, schwarz, gold und und und! Die meisten hatten Hochsteckfrisuren, die mit wunderschönen Blüten geschmückt waren. Allerdings fand ich bei manchen das Gesicht zu sehr mit Kosmetik überladen: knallrote Apfelbäckchen, graue Kontaklinsen und überdimensionale Wimpern.

Junge Frauen in Kimonos
Vor der Halle traf ich wenig später auf ein Hippomitglied mit seinen Freunden und wir gingen gemeinsam hinein. Ach du meine Güte war es stickig und voll dort drin! Wir drängelten uns durch die Masse und kamen nach gefühlten zwei Stunden an unsere Plätze. Das Programm startete mit einigen Gesangsauftritten von einer japanischen, mir jedoch unbekannten Mädchenpopband. Danach hielten der Bürgermeister und andere Amtsinhaber einige Reden und gratulierten uns zu unseren neuen Rechten und Pflichten. Die Veranstaltung endete damit, dass wir in einem besonderen Takt in die Hände klatschen und uns verbeugen sollten. Am Ausgang erhielten wir noch ein kleines Geschenk, nämlich einen Mini-Garten für Zuhause. Ich hatte es mir etwas pompöser vorgestellt, vor allem, da der Aufwand für das Anziehen der Kimonos sehr anspruchsvoll war und die Kürze der Zeremonie einen dann doch überraschte. Trotzdem war es cool und interessant diese einmalige Zeremonie miterleben zu dürfen und die vielen Kimonos anzuschauen. Zur Feier des Tages geht es heute Abend noch in ein indisches Restaurant mit meinen Gasteltern :) Ich freue mich! 

Beginn der Zeremonie
Leider in keinem Kimono ;)

Samstag, 5. Januar 2013

Südkoreaaufenthalt und Schreinbesuch

Hallöchen! 
Das Neue Jahr 2013 ist schon einige Tage alt und zurückblickend auf die vergangenen Tage ist wieder reichlich viel passiert. Angefangen mit meinem Aufenthalt in Südkorea:
Hier nun 10, für mich unvergessliche Dinge
  1. Meine Gastgeschwister sind äußerst sprachbegabt: koreanisch, englisch, japanisch, chinesisch und deutsch.
  2. KoreanerInnen lieben es, zu teilen: Sei es Essen, Kleidung, Süßigkeiten, Haushaltsgeräte, usw.
  3. Verkehrswahnsinn auf den Straßen: Selbst einige Busfahrer halten sich nicht an das Geschwindigkeitslimit und fahren einfach mal quer über eine vierspurige Straße.
  4. Riesige Plakate mit Werbung über Schönheitsoperationen: Laut meiner Gastschwester ist der Besuch beim Schönheitschirurgen mit der Anzahl der Zahnarztbesuche im Jahr zu vergleichen!
  5. Ich habe das erste Mal zu Weihnachten an Heiligabend 5 Stunden allein auf dem Boden gehockt und über Gott und die Welt nachgedacht.
  6. Die Zugticketpreise sind verglichen zu den japanischen ein Traum! (3€ für einen Tag)
  7. Die Direktheit einer Verkäuferin hat mich so erstaunt, als sie gemeint hat, wie schlecht meine Haut doch aussehe und dabei auch nicht Recht gehabt hat!
  8. Die Aussicht bei Nacht vom Seoultower ist atemberaubend! Perfekter Ort fürs perfekte Date? ;)
  9. Straßenmärkte sind sehr unterhaltsam und es gibt superleckere Sachen für wenig Geld.
  10. Ausgerechnet am kältesten Tag des Jahres (-14°C) habe ich mir die koreanischen Paläste angeschaut und bin shoppen gewesen. Dabei sind mir fast alle Gliedmaßen abgefroren.
Stadtteil Gangnam - hier habe ich gewohnt
Aussicht vom Seoultower

beim Gyeongbokgungpalast

Die Zeit ist meiner Meinung nach wieder viel zu schnell vergangen, aber ich bin mir sicher, dass ich eines Tages Südkorea ein zweites Mal besuchen werde.

Silvester und Neujahr

Vom Südkoreaaufenthalt wieder zu Hause angekommen, war ich erstaunt, dass uns nur noch 2 Tage blieben, bis wir das Neue Jahr begrüßten. Meine Gastgeschwister kamen mit ihren PartnerInnen zudem für einige Tage nach Hiroshima, um mit uns die Feiertage zu verbringen. Zu Silvester überraschte mich dann meine Okaa-san mit der Frage, ob ich nicht Lust hätte mit Wataru um 23 Uhr zum Schrein zu gehen und dort den Jahreswechsel zu erleben. Gut, dachte ich mir. Ich hatte ihn ein Weilchen nicht getroffen und einen Schreinbesuch zu Neujahr hatte ich bisher auch nicht erlebt. So hatte ich natürlich zugesagt und noch gefragt, ob sie uns denn begleiten wollten. Die Art und Weise wie sie mir antwortete, dass nur wir beide gehen sollten, hatte mich dann doch etwas stutzig gemacht. Immerhin hatte auch mein Otou-san schon öfters seeehr komische Kommentare rausgehauen ;D. Egal, den Nachmittag hatte ich dann damit verbracht eine japanische Tür ("Shoji") mit meinem Otou-san zu reparieren, zum Friedhof zu gehen und mit der niedlichen Enkelin zu spielen, die ich bereits vollends ins Herz geschlossen hatte. Am Abend aßen wir dann Tempura mit vielen anderen Beilagen und sahen uns eine sehr berühmte Musikshow ("Gohyaku..") an. Zwar traf die Sendung nicht wirklich meinen Geschmack, aber laut meinen Gasteltern ein Muss für jede/n JapanerInnen. In zwei Teams traten verschiedene MusikerInnen gegeneinander an und diesmal gewann das Männerteam. Gegen 23 Uhr kam anschließend auch Wataru zu uns. Mit dem Fahrrad sollte es anschließend in Richtung Stadtmitte gehen, wo sich eines der größten Schreine Hiroshimas befand. Irgendwie hatten wir es geschafft die Zeit mit Gesprächen so aus den Augen zu verlieren, dass ich dann ganz spontan nach der Uhrzeit gefragt hatte und er mir leicht hektisch mit "23:56 Uhr" antwortete. So ein Mist aber auch! Auf dem Fahrrad sich "Happy New Year" zu wünschen, war auch ein neues Erlebnis. Etwas später beim Schrein angekommen, war ich von der Menschenmasse völlig überwältigt. Es gab eine riesengroße Schlange vor dem Tor und überall Essensstände. Wir drängelten uns ein wenig durch und kamen schließlich beim Schrein an, um dort mit zweimal Händeklatschen zu beten. Wataru sicherlich für seine Aufnahmeprüfung, ich hingegen für meine Familie. Daraufhin liefen wir zum Orakelstand, wo jeder für 100 Yen (umgerechnet 1€) einen Orakelzettel bekam. Wataru hatte mir einige Dinge übersetzt und gemeint, dass das Neue Jahr für mich sehr anstrengend sein und nicht sehr viel Positives beinhalten wird. Gut. Dass ich zum Countdown zu spät kam, war auch schon mal ein netter Anfang für das Neue Jahr, nicht wahr? ;D. Allerdings kam dann noch die Krönung, als beim Anbringen des Orakelzettels dieser mir in zwei Stücke zerrissen war. Schlechter ging das wohl nicht! Übrigens sagt man, dass das Mitnehmen eines Orakelzettel Unglück bringe. Wataru hatte dann netterweise meinen Zettel angebracht und wir liefen anschließend zum Sake- und Talismanstand. In einem kleinen Schälchen wurde uns Sake serviert und  danach kaufte ich mir noch einen Talisman für die Gesundheit. Nach einer Weile wurde uns schon sichtlich kalt und wir entschieden uns dann in Richtung Ausgang zu laufen. Kurz machten wir noch einen Zwischenstopp beim "Taiyaki"-stand (Kuchen in Fischform) und wir teilten uns das Küchlein. Die Nacht daraufhin hatte ich nur zwei Stunden geschlafen, weil ich mir den Sonnenaufgang anschauen wollte. Mit großer Anstrengung quälte ich mich um 6 Uhr aus dem Bett, zog mich schnell an und lief dann zum Fluss, der 20 Minuten von meinem Haus entfernt lag. Hach Gott, es war so kalt an diesem Morgen, aber als ich dann etwas später die Sonne aufgehen sah, vergaß ich all das Zittern. Es war wirklich wunderschön und meine Okaa-san sagte auch zu mir, dass es Glück für das Neue Jahr bringen soll :) Den Neujahrstag hatte ich dann zusammen mit meiner Gastfamilie verbracht und wir aßen sehr leckere Köstlichkeiten, die man speziell nur zu Neujahr isst: Hummer, eingelegter Fisch, Bohnenmus, Mochi, Anman, Krebsfleisch und vieles mehr. Am Tag darauf unternahm ich mit meinen Gastgeschwistern einen langen Spaziergang entlang der Hiroshimaküste, denn wir hatten perfektes Winterwetter. Es war angenehm kühl und die Sonne schien den gesamten Tag. Es kam mir auch gar nicht so vor, dass wir jetzt den Januar begrüßten, denn viele Bäume trugen grüne Blätter. Alles in allem waren es wunderschöne und unvergessliche Tage für mich!

HAPPY NEW YEAR!