Montag, 15. Oktober 2012

Erinnerungen an den Atombombenabwurf

Letztes Wochenende hatte ich mich mit Tom (ICYE-Freiwilliger, der ebenfalls nach Hiroshima gekommen war), getroffen, um mit ihm gemeinsam die Gedenkstätten Hiroshimas zu besichtigen, da das Vorhaben auf beiden Seiten seit der Ankunft bestand. Wir liefen mit einem mulmigen Gefühl zum Friedenspark und dort angekommen hatten wir mit einem Mal realisiert, dass wir uns direkt im Abwurfzentrum befanden und hatten an das, was vor 67 Jahren geschah, gedacht. Beim Anblick der Atombombenkuppel lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken und minutenlang hatten wir uns diese Ruine betrachtet, ohne etwas zu sagen. Laut Informationstafel war die Explosion 600m fast senkrecht über dem Gebäude, weshalb die Wände des Gebäudes nicht zerstört wurden, aber alles weitere in der Umgebung wurde dem Erdboden gleichgemacht und die Menschen waren sofort tot.

Steinwände und ein Eisengerüst
Die Atombombenkuppel symbolisierte nun ein Zeichen für den Weltfrieden und zeigte die zerstörerischen Ausmaße von Atomwaffen. Tom und mir waren aufgefallen, dass die Menschen, mit denen wir in letzter Zeit über den Zweiten Weltkrieg zu reden versucht hatten, den meisten Fragen aus dem Weg gegangen waren oder im Allgemeinen nur sehr oberflächlich geantwortet hatten. Es blieb für vielen immer noch eine hochsensible Geschichte, worüber sie nur im Stillen daran dachten und es nur sehr ungern ansprechen vermocht hatten. Im Friedenspark kamen wir wenig später am Kinderfriedensdenkmal vorbei, wo eine Bronzestatue, einen Kranich haltend, auf einem Stein zu sehen war. Dieses sollte an das an leukämieerkrankte Mädchen, Sadako Sasaki, erinnern, welches tausend Kraniche gefaltet hatte, um sich dadurch den Wunsch "Gesund zu werden" zu erfüllen. Viele Schulklassen hatten sich an dem Tag an diesem Ort versammelt, um Gebete und Lieder vorzutragen und der Opfer zu gedenken.


eine Schulklasse vor dem Kinderfriedensdenkmal

Anschließend besichtigten wir noch eine Flamme, die erst aufhört zu brennen, sobald die letzte Atombombe vernichtet worden war und einen von der Atombombe beschädigten Eukalyptusbaum, der überraschenderweise noch Blätter ausbildete.

die Flamme
Eukalyptusbaum


Alles in allem bedeutete dieser Tag für mich sehr viel, da ich mich sehr intensiv noch einmal mit der Geschichte des Pazifikkrieges auseinandersetzen konnte und mir noch einmal bewusst wurde, welche Zerstörungskraft Atomwaffen haben und wie gefährlich Atomkraft ist.

Bei den Preisen kriege nicht nur ich einen Anfall, mein Portemonnaie ebenso!

Was dachte ich mir schon dabei! Für vier Tage einzukaufen wäre doch ganz simpel und schnell im nächsten Supermarkt zu erledigen. Nun ja, insgesamt brauchte ich drei Stunden, um jedes Lebensmittelgeschäft in der Nähe abzuklappern und die günstigsten Fressalien zu finden. Selbst das war in vielen leider nicht möglich!

Da meine Gasteltern die letzten vier Tage nicht zu Hause waren, musste ich mich nun selbst um das Essen kümmern und machte mich mit dem Fahrrad frohen Mutes auf dem Weg zum ersten Supermarkt. Für das Frühstück sollte gekauft werden: Brot, Belag, Tee oder Milch und fürs Abendessen: Reis, ein bisschen Gemüse und Obst, Getränk. Da mir schon von Anfang an klar war, dass ich für das Obst und Gemüse tiefer in die Tasche greifen müsste, hatte ich bei den anderen Lebensmitteln versucht, das günstigste zu ergattern. An Fleisch und Fisch war erst einmal gar nicht zu denken. Der erste Schock für mich: 6 Toastbrotscheiben für umgerechnet 2,88€! Nicht mit mir! Soviel wollte ich nun wirklich nicht bezahlen und suchte schnurstracks den Ausgang. Im nächsten Supermarkt das Gleiche. Irgendwann, drei Straßenkreuzungen weiter, fand ich dann das Lebensmittelgeschäft Yours, wo die Preise für mich noch erschwinglich, aber trotzdem zum Heulen waren: Brot für umgerechnet 1,84€, kleines Glas Marmelade für 2,34€, Milch (1L) für 2€ (!), drei Bananen für 3€, 1 Apfel für 1,50€, 3 Minigurken für 3€, Apfelsaft (1,5L) für 3,55€ (!!!) An dem Tag hatte ich höllischen Durst nach Apfelsaft und wollte ihn mir trotz des Preises kaufen. Tja, die Einsicht kam wie immer viel zu spät und mein Portemonnaie musste leiden. Bei der Milch musste ich mir auch auf die Lippen beißen, aber der hohe Preis kam dadurch Zustande, dass die Nachfrage nach Milch sehr gering war (aufgrund der Laktoseintoleranz vieler Menschen) und importiert werden musste. Reis hatte ich mir am Ende nicht gekauft, weil der zwei Kilo Sack 10€ gekostet hätte, und ich wenig später bei einem kleinen und sehr günstigen Bäcker belegte und überbackene Baguetten gekauft hatte. Das Obst und Gemüse dienten dann als gesunden Snack für zwischendurch.
nach dem Einkauf war mein Portemonnaie ca. 17€ leichter :o

Bei den Lebensmitteln hatte ich die Preise mit unseren aus Deutschland verglichen und natürlich dabei darauf geachtet, einzubeziehen, wie viel Geld ein Mensch in Deutschland für das Essen zur Verfügung hätte. Nun musste ich selbstverständlich mitbedenken, dass die Japaner zum Teil umgerechnet mehr Geld verdienen und es für sie weniger teuer sein könnte (oder es gibt doch noch günstigere Läden und ich hatte sie nur nicht gefunden).

Freitag, 12. Oktober 2012

Mein Alltag in Hiroshima

Hallo, ihr Lieben!

Nach einigen sehr erlebnisreichen Blogeinträgen habe ich mir gedacht, dass ich euch mehr von meinem Alltag berichten sollte, der auch viele interessante Sachen beinhaltet. Mein Tag fängt, egal ob in der Woche oder am Wochenende, immer um 8 Uhr mit Frühstück an, das heißt 7.30 Uhr aufstehen, schnell anziehen und dann zu meinen Gasteltern laufen. Ich habe mich ziemlich gut an den Rhythmus gewöhnen können und kann mich da auch nicht beschweren. Schließlich habe ich dann sogar mehr vom Tag, da es hier sehr schnell dunkel wird. Das Frühstück ist bei uns westlich gehalten. Westlich in dem Sinne, dass wir Brot mit verschiedenen Sorten Marmelade, Salat und Gemüse essen und dazu Tee und Kaffee trinken.  Meine Gasteltern achten sehr auf gesunde Ernährung, so backen sie das Brot jeden Tag selbst und vermeiden süße Speisen und Fertigprodukte. Verglichen zum Rest des Tages haben wir eigentlich nur am Morgen Zeit, längere Gespräche zu führen, denn meine Gasteltern sind meist bei ihren Hippoveranstaltungen und ich im Kindergarten. Um neun Uhr heißt es dann auch für mich: Auf zum Bahnhof, damit ich pünktlich um zehn Uhr beim Kindergarten bin. Jeden Tag fahre ich die Strecke von Takasu nach Nishihara und wieder zurück und mir krausen sich immer noch die Haare, wenn ich daran denke, dass ich für einen Tag knapp 9€ für Fahrkarten ausgeben muss. Zugfahren ist allgemein in Japan sehr teuer! Ich habe auch einmal bei einer Tankstelle nachgeschaut, wie viel dort umgerechnet der Liter kostet: 1,46€ (Stand 10.10.2012), günstiger als in Deutschland, aber was nützt mir Autofahren, wenn ich noch nicht einmal den Führerschein besitze ;).

Im Kindergarten angekommen heißt es erstmal Umziehen. Ich trage während meiner Arbeit eine Kochschürze, damit die Kleidung nicht dreckig wird. Manchmal ist das Tragen von Mundschutz ein Muss, wenn man das Gefühl hat, dass die nächste Erkältung im Anmarsch ist. Von 10-13 Uhr habe ich meine Schicht in der Bambigruppe, dann wird von 13-17 Uhr in die andere Gruppe gewechselt. In der ersten Gruppe spiele ich mit den Kindern mit Bausteinen oder halte sie in den Armen und singe ihnen etwas vor. Sie gucken mich dann meistens verwirrt an, weil ich nicht auf japanisch singen kann. Allerdings lerne ich von Tag zu Tag immer mehr japanische Lieder kennen. Um 12 Uhr gibt es dann Mittagessen: Reis mit vielen Beilagen (Krautsalat, eingelegte Bohnen, Tofu). Zum Füttern habe ich ja schon einmal etwas erwähnt und es läuft jeden Tag ähnlich ab. Die Kinder haben sichtlichen Spaß mit dem Essen zu spielen und sich gegenseitig und die Erzieherinnen damit abzuwerfen. Dann heißt es Windeln wechseln, aufräumen und den Kindern beim Mittagsschlaf helfen. Mir fällt es jetzt bereits leichter, die Kinder zum Einschlafen zu bringen. Meine Einschlaflieder helfen mir dabei sehr. Entweder singe ich so schief, dass sie lieber den Schlaf vorziehen anstatt zuzuhören oder ich bin doch nicht so schlecht im Singen ;) Natürlich gibt es wiederum auch Kinder, die gar keinen Mittagsschlaf machen wollen und diese muss man jederzeit beschäftigen können, damit sie die anderen Kinder nicht aufwecken. Sobald auch das letzte Kind im Schlummerland angekommen ist, habe ich dann meine Pause und esse das gleiche Essen wie die Kinder. Geschmacklos ist es, aber gesund.

Nach dem Mittagsschlaf gehe ich zu den "Großen" und mache einige Spiele mit ihnen gemeinsam. Wir singen auch deutsche und vietnamesische Lieder zusammen. Das Problem ist bei den etwas älteren Kindern, dass sie ziemlich schnell reden und ich sie größtenteils gar nicht verstehe (und andersherum, dass sie mich nicht verstehen). Bei den Kleinen habe ich die Möglichkeit Wörter und kleine Sätze zu sprechen, doch bei den Großen reicht das nicht aus. So bin ich dann (oft) motiviert, am Abend neue Vokabeln zu lernen. Manchmal lege ich mich auch einfach sofort schlafen. Am Mittwoch und Freitag fahre ich nach der Arbeit gleich zur Hippogruppe, um wieder Sprachspiele auszutesten und in der großen Runde mein Japanisch in Diskussionen zu verbessern. Es macht wirklich sehr viel Spaß und zwischendurch lerne ich immer mehr Leute verschiedenen Alters kennen. Sichtlich erschöpft dann zu Hause angekommen, wird (einmal die Woche) Wäsche gewaschen und dann geschlafen. Ab und zu habe ich dann auch die Möglichkeit und Zeit ins Internet zu gehen oder meine Blogeinträge vorzuschreiben, wenn das Internet wieder einmal nicht funktioniert.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Miyajima Island

"Die Rehe sind wild. Rehe nicht füttern. Sie fressen Papier und Stoff. Bitte passen Sie auf!"

Als ich diese Sätze auf einem Übersichtsplan gesehen hatte, musste ich vor mich hin grinsen, nicht nur, dass sie auf deutsch waren, sondern, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich Rehe uns nähern würden. Aber falsch gedacht, liebe Phu, wie es sich am Ende herausstellte! Später etwas mehr dazu ;)

Am Dienstagvormittag fand ein Hippotreffen in meinem Haus statt und zudem hatte ich einen Tag frei. Leicht überfordert mit der Situation, dass plötzlich um die zehn Menschen in meinem sonst so leeren Haus im Wohnbereich saßen, hatte mich die liebe Saki-san gefragt, ob ich nicht Lust hatte, ganz spontan einen Ausflug zur Miyajima Insel inklusive Bergwanderung zu machen. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und sofort packte ich alles für meine Tasche zusammen. Mit dem Zug ging es dann 45 Minuten in Richtung Miyajimaguchi Bahnhof und danach mit der Fähre zehn Minuten auf die Miyajima Insel. Von der Fähre aus konnte ich bereits die tolle Landschaft erblicken und hätte wirklich nicht gedacht, dass es noch übertroffen werden konnte!
Hiroshima, Saki, meine Wenigkeit und mein Fuß

Laut Saki-san hatten wir Glück mit dem Tag und dem Wetter, weil viele Menschen an diesem Tag arbeiten mussten und zudem nur wenig Touristen gekommen waren. Dort eingetrudelt fingen wir auch sofort an, die Gegend zu erkunden. Unser Weg führte zuerst durch die Omotesando Einkaufsstraße, ein typischer Touristenort, wo viele Souvenire, Speisen, Köstlichkeiten, Getränke u.a. angeboten wurden.
Omotesando Einkaufsstraße
Am Ausgang angekommen riefen wir beide gleichzeitig "Mite! (Schau!)", weil jeder von uns etwas entdeckt hatte. Sie: das berühmte, im Wasser stehende O-torii Tor, ich: Rehe! Fasziniert von den Tieren hatte ich das große Tor glatt übersehen und Saki-san musste erst einmal über mich schmunzeln. Allerdings waren die Rehe nicht mehr menschenscheu und sehr an den Lärm und den Massen gewöhnt. So hatte die Insel zwar eine weitere Attraktion für Touristen, aber ich hielt nicht viel Gutes davon. Wenig später kamen zwei Rehe direkt auf mich zugelaufen, eins von hinten angeschlichen, und mit einem Stupser auf meinem Po hatte es auch schon meinen Geländeplan im Maul, welchen ich in der Hosentasche versteckt hatte, und es schmatzte genüsslich. Hätte ich mich zuvor bloß nicht über die Sätze lustig gemacht! ;)

sehr neugierig, das Reh!
O-torii Tor

Am O-torii Tor hatten wir zu dem Zeitpunkt Flut und konnten es leider nur von Weitem sehen. Trotzdem war das Tor ehrfürchtig und beeindruckend. Der Weg führte dann weiter vom Itsukushima Schrein, welches vom 6. - 7. Jh. erbaut worden war, wo wir auch eine traditionelle Hochzeit miterleben konnten, über den Daishoin Tempel bis hin zum Misen Berg.

Itsukushima-Schrein
Na, hat man mich gefunden? ;)



auf dem Misenbergweg
Wir wanderten mehr als eine Stunde immer steil nach oben und irgendwann am Berg angekommen war ich sichtlich erschöpft. Doch der gesamte Weg und die Anstrengung hatten sich mehr als gelohnt. Die Aussicht war atemberaubend und wunderschön. In aller Stille hatte ich die Sicht genossen und mit einem Mal wurde ich ein wenig melancholisch. Wie gerne hätte ich zu diesem Zeitpunkt Familie und Freunde an meiner Seite mit denen ich den Blick zusammen genießen könnte.


oben angekommen
traumhafter Ausblick

Da es dann auch schon spät wurde, beschlossen wir mit der Seilbahn hinunterzufahren, was pro Person nur 100 Yen gekostet hatte. Ich war leicht aufgeregt, da ich das erste Mal mit einer Seilbahn fuhr, aber es war eine positive Erfahrung und auf dem Weg nach Hause hatte ich noch von den leckeren Kuchen probiert, namens Momiji Manju. Sie hatten die Form von Blättern und waren unterschiedlich gefüllt. Vor allem die mit den roten Bohnen waren sehr lecker! Alles in allem war es ein sehr toller Ausflug, besonders, weil er auch noch ganz spontan entschieden wurde. Allerdings hatte ich an dem Abend später höllische Kopfschmerzen.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Sake Matsuri

Für viele Sake-liebende JapanerInnen, war der gestrige Tag ein Muss! Ein Mal im Jahr findet das Sake Matsuri (ein Festival) in Hiroshima statt und mich hatten Hippo Mitglieder gefragt, ob ich nicht Lust hatte mitzukommen. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. An dem Tag waren die Züge völlig überfüllt, da viele Menschen aus den Nachbarpräfekturen gekommen waren. Im Vergleich zu den vollgestopften Zügen in Tokyo war die Enge im Wagon noch viel schlimmer. Insgesamt dauerte die Fahrt eine Stunde und als wir ankamen, navigierten uns nette Mitarbeiter von der Bahn zum Ticketschalter, da man sein Rückfahrschein früher kaufen sollte und den Ansturm gegen Abend vermeiden wollte.

völlig überfüllter Zug
Überall bauten die Menschen ihre Essensstände hin und verteilten an jeder Ecke großzügig Sake. Kein Wunder, dass einige Menschen die Menge an Alkohol nicht vertrugen und auf Bänken ihren Kater ausschliefen. Es gab wirklich sehr viel zu Bestaunen und ich war sehr interessiert an der Herstellung von Sake. Mit viel Musik und Lichter schufen die Menschen eine tolle Atmosphäre.

Essensstände
Dann will ich auch mal mein Glück mit Sake versuchen!
Alle möglichen Sakesorten
Sakewerkzeuge

Es war ein toller Tag und bezüglich des Essens hatte ich natürlich wieder vieles probiert: Takoyaki (Oktopusbällchen), Misopaste, Reisbällchen mit Sakegeschmack, Tomatensaft mit Sakegeschmack, Kuchen mit Sakegeschmack, Fleisch mit Sakegeschmack, Seealgengelee, Bubble Milk Tea. Meiner Meinung nach schmeckte vieles einfach nur nach Sake und vieles werde ich sicherlich nicht noch einmal essen oder trinken, aber es war eine Erfahrung wert und es machte sehr viel Spaß!

Kleiner Nachtrag: Im Fernsehen wurde von dem Festival berichtet und man schätzte die Besucherzahl (für einen Tag) auf 300.000 Menschen ein! 

Hiroshima, da bin ich!

Hallo meine Lieben!
Nun wohne ich schon 5 Tage in Hiroshima und fange an, mich ganz langsam an meine neue Umgebung zu gewöhnen, welche mir aber aufgrund der bergigen Landschaft und Ruhe sehr gefällt.
Hiroshima

Vereinzelt erhasche ich beim Vorbeifahren Blicke auf die Atombombenkuppel und mir fährt beim Anblick immer ein kalter Schauer über den Rücken. Irgendwie ein mulmiges Gefühl, wenn man bedenkt, dass hier die Atombombe detoniert ist! In den nächsten Wochen werde ich sicherlich die Möglichkeit haben, mir alles genauer anzuschauen. In Hiroshima lebe ich "bei" einer Gastfamilie, genauer gesagt in einem anderen Haus, welches nur eine Minute entfernt ist. Es ist schon sehr einsam hier, weil ich kaum jemanden kenne und meine Familie zudem auch sehr mit dem Hippo Family Club beschäftigt und deswegen kaum zu Hause ist. In der letzten Woche habe ich die Hippos (so nenne ich die Mitglieder mal) das erste Mal kennengelernt. Mehrmals die Woche treffen sie (meist Hausfrauen) sich nun, um neue Sprachen mittels Tonbänder, Spiele und Lieder zu lernen. Sie interessieren sich sehr für den interkulturellen Austausch und nehmen auch regelmäßig Menschen aus anderen Ländern bei sich auf. Es ist sehr lustig, manchmal auch anstrengend, und neben japanisch kann ich auch einen Einblick in anderen Sprachen bekommen.
In dieser Straße wohne ich
Mein kleiner Wohnbereich
Am Donnerstag hatte ich zudem auch meinen ersten Arbeitstag im Kindergarten, welcher sich in einem Wohnhaus befand. Mit dem Zug brauchte ich ca. eine Stunde bis nach Nishihara. Dort angekommen wurde ich von den KollegInnen und Kindern sehr herzlich mit einem Schild "Willkommen im Kindergarten" empfangen. Es gab zwei Kindergruppen: Bambigruppe (0-1 Jahre) und die Schmetterlingsgruppe (1-3 Jahre). An dem Tag war ich hauptsächlich in der ersten. Die Kinder waren wirklich sehr niedlich, aber nach sieben Stunden war ich sichtlich erschöpft!

Blick vom Nishiharabahnhof
(Bild von Horie-san)
 
Der Kindergarten strebt eine sehr freie, kulturelle und kreative Erziehung an, genauer gesagt sollen die Kinder möglichst früh mit anderen Kulturen in Kontakt kommen und nicht unter strengen Regeln aufwachsen. Die Individualität eines Kindes soll in einer Gesellschaft wie die in Japan, wo das Gruppenbewusstsein sehr stark ausgeprägt ist, nicht verloren gehen.

Meine Aufgaben am ersten Tag bestanden darin, mit ihnen zu spielen, zu füttern und beim Einschlafen zu helfen. Das Füttern war eine Herausforderung: Die Kinder hatten sehr großen Spaß daran, den Reis in meine Haare zu schmeißen oder die Beilagen nicht in den Mund, sondern in deren Hosen zu legen. Das Einschlafen war eine noch größere Herausforderung: einige Kinder hatten nur vermocht in den Armen der Erzieherinnen zu schlafen. Als ich sie in ihre Betten legen wollte, fingen sie an zu weinen und weckten dabei andere Kinder auf. Also musste man immer wieder von vorn anfangen. Die Verständigung mit den KollegInnen fiel mir noch sehr schwer, da sie kein Englisch sprechen können und meine Japanischkenntnisse noch nicht ausreichten, um ihre Anweisungen korrekt zu verstehen. Aber ich gab mir Mühe und freute mich auf die nächsten Tage im Kindergarten! Übrigens arbeitete ich von 10 - 17 Uhr.

Ein kleiner Nachtrag: Es war wirklich unglaublich, wie viel Geld ich für Fahrkarten in diesem Monat ausgeben musste! Mehr als 100€ für zwölf Tage!

Dienstag, 2. Oktober 2012

Sportfestival + Akihabara + Sensōji

Das Wochenende konnte ich nun ganz mit der Gastfamilie verbringen, da die Tage zuvor wegen des Camps etwas stressig gewesen waren. Am Samstag fand dann das Sportfestival der Grundschule meiner Gastschwester statt und da sie mich bat zu kommen, wollte ich sie nicht enttäuschen und lauthals unterstützen. Es war unglaublich heiß an dem Tag, so dass wir beschlossen hatten, ins Gebäude zu gehen und es von oben aus anzugucken. Ich war wirklich überrascht, wie gut das Festival von der Schule organisiert wurde und wie viele Menschen gekommen waren. Das Sportfest zu meiner Schulzeit war im Vergleich zu diesem wirklich nichts besonderes! Die Wettkämpfe (wie zum Beispiel 100m-Staffel) und Tänze wechselten sich ab und zwischendurch gab es auch eine Mittagspause, wo wir alle auf dem Sportplatz liefen und O-Bento aßen. Wie viel Mühe sich die Mütter mit dem Essen gegeben hatten! Die verschiedenen Speisen wurden richtig süß dekoriert, wie zum Beispiel Quarkbällchen mit Bärengesicht und Ohren!

Tanz der 3. Klässler
Klassenraum der 4. Klässler











Am Sonntag fuhr ich dann mit der gesamten Familie nach Akihabara, dem Elektonik-, Manga- und Animeviertel. Beim Betreten des Buchladens Comicstore hatte es mir echt die Sprache verschlagen! So viele Mangabücher hatte ich noch nie gesehen! Und wer mich gut kannte, der wusste, dass ich mich bei so einer Gelegenheit niemals mit leeren Händen nach Hause begab. Anschließend gingen wir dann auch Essen, und zwar ins Sushirestaurant und später ins Café. Da für den Abend ein Taifun angesagt wurde, musste ich das Treffen mit meinem Cousin absagen. Solch starke Winde hatte ich zum allerersten Mal erlebt.

 mit meiner Gastmutter und einem Plüschtier
Sushi auf Fließband

Am Montag hieß es dann Abschied nehmen. Doch bevor es zu diesem Moment kam, hatte ich den Vormittag noch mit meiner Gastmutter verbracht. Nachdem der Taifun abgezogen war, hatten wir strahlendes Wetter. Sie brachte mich zum mächtigen Südtor Kaminarimon und erzählte mir sehr interessante Geschichten bezüglich der Wind- und Donnergötter und der Legende mit der Statue der Kannon, die seit Jahrhunderten verschwunden bleibt.

Sensōji
 "Reinigung des Körpers"



Der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mir sehr schwer. Obwohl ich nur 10 Tage bei ihnen gewohnt hatte, wuchsen sie mir sehr ans Herz. Nun wird für mich der ernste Teil anfangen, nämlich in Hiroshima.

Orientierungscamp Teil II

Von Montag bis Freitag hatten wir also nun unser Camp im ICYE-Büro. Abgesehen von Freitag, wo wir im Anschluss unsere kleine Abschiedsparty hatten, verliefen die anderen Tage ähnlich: jeden Tag um 8 Uhr aufstehen und um 17.30 Uhr nach Hause fahren. Joa, das Fahren war ja so eine Sache. Erst am vorletzten Tag hatte ich es geschafft, mich einmal nicht zu verlaufen und den richtigen Eingang zu finden.  Man bedachte, dass viele Stationen um die sechs Eingänge hatten, und da ich bei diesen mir nie die Namen und Kanji einprägen konnte, war das etwas problematisch gewesen! Von 10.30 Uhr - 12 Uhr und 13.30 Uhr - 16 Uhr hatten wir Japanischunterricht und der Stoff wurde uns in einem ziemlich schnellen Tempo beigebracht. Zwischendurch hatten wir Mittagspause und das Essen variierte jeden Tag (einmal Ramen, dann Udon, später O-Bento aus dem Supermarkt). Nach dem Japanischunterricht hatten wir danach immer noch eine Kulturstunde, wo wir über verschiedene Sachen, wie die Mentalität der Japaner, Problemvermeidung, u.a. diskutierten. Sehr interessant war die Tatsache, dass das Umkleiden vor dem anderen Geschlecht unter sexuelle Belästigung fallen konnte.

im ICYE- Büro
Am Freitag fand dann die Abschiedsfeier statt, wo viele ehemalige Freiwillige, die ICYE-Mitarbeiter, unsere Gastfamilien und andere Gäste gekommen waren. Es gab ein leckeres Buffet und ich konnte viele neue Kontakte knüpfen. Die Eröffnung der Feier wurde durch uns Freiwillige mit der Selbstvorstellung auf japanisch eingeleitet. Es war schon ziemlich aufregend vor ca. 15 JapanerInnen zu sprechen, aber alles verlief prima.
Kleines Abschlussfoto
Danach ging es für uns nach Shinjuku, um den Abend ausgiebig zu "feiern". Feiern in dem Sinne, dass wir in ein Game Center gingen und später "Purikura" (niedliche Automatenfotos) zu dreizehnt machten. Es war wirklich erstaunlich, zu sehen, wie viele Menschen abends in Shinjuku unterwegs waren.



 Beim Trommelspiel
(Bild von Miriam)

Shinjuku bei Nacht

Orientierungscamp (22.09.-28.09.) Teil I

Am 22.09.2012 fing also unser Orientierungscamp an. An der Sangubashi Station traf ich auf die anderen FreiwilligInnen [Thomas (UK), Outi (FIN), Kiryu (DEN), Miriam (DE) Simon (DEN) und Stig (DEN)] und die ICYE-Mitarbeiter, und wir liefen direkt zum National Olympic Memorial Center, um dort das Wochenende gemeinsam zu verbringen. Auf Anhieb haben wir uns alle super verstanden und sind auch gegen Ende des Camps eine sehr harmonische Truppe geworden!

Am Center angekommen wurden wir von Tomoko-san und den Rückkehrern sehr herzlich empfangen. Einige waren für ein Jahr zum Beispiel in Indien, Dänemark, Costa Rica, Finnland oder sogar Deutschland. Nach der Einführung ging es erstmal in die Caféteria. Ich bestellte mir dort Udon (Suppe mit dicken Weizennudeln) und aß gemeinsam mit den anderen. Es war wirklich unglaublich toll, wie viele neue nette Leute ich an diesem Wochenende kennengelernt hatte. Bei lustigen Gruppenarbeiten konnten wir unsere bisherigen Erfahrungen untereinander austauschen und so viele neue Sachen lernen. Anschließend gingen wir auf Sightseeingtour. Wir besichtigten zuerst einen traditionellen japanischen Park, wo es einige Tempel gab. Die Umgebung war wirklich sehr schön, alles still und idyllisch. Ich vergaß für eine kurze Zeit, dass ich mich in Tokyo befand.

Steinlaterne
Bach
Foto mit der lieben Sayaka-san (Kontaktperson ICYE)
Eingangstor
Danach ging es nach Shinjuku zu einigen Unterhaltungsplätzen, wie zum Beispiel Harajuku, ein sehr bekanntes und aufregendes Örtchen für Modebewusste, welche, die es noch werden wollen und für diejenigen, die das Leben einer Sardine in der Büchse zu fühlen vermocht hatten. Für mich war es der reinste Horror durch diese Straße zulaufen! Es war dermaßen voll und überall Glitzer, Lichter, laute Musik und Reklame. Diese aggressive Reizüberflutung veranlasste mich, schnell das Weite zu suchen, allerdings bei der Menschenmasse nur im Schneckentempo. Bemerkenswert fand ich den Kleidungsstil und das Aussehen einiger japanischer Mädchen und Jungen. Viele, die ich gesehen hatte, trugen Gothic Lolita Kleider mit riesigen Sonnenschirmen, bunte Kontaktlinsen (rot, grün), Perücken und andere schrille Outfits. Ich fand das äußerst interessant, aber das ist halt Geschmacksache, nicht wahr? Übrigens überraschte es mich, dass bei Frauen Ausschnitt zeigen Tabu war, aber Röcke nie zu kurz sein konnten, selbst wenn das Hösschen das Tageslicht erblickte hatte.

Einkaufsstraße Harajukus
Das Wetter war an diesem Tag sehr schwül und heiß. Als wir Harajuku verlassen hatten, waren viele von uns sehr müde und dehydriert. So machten wir uns auf die Suche nach einem Café, welches wir nach einigen Metern fanden, ein ziemlich süß dekoriertes (mit Engeln und Blumen). Wieder im Center angekommen mussten wir erstmal japanisch pauken. Katakanalernen stand nämlich auf der Tagesliste und so mussten wir 120 Minuten im klimatisierten Raum Schriftzeichen lernen. Zwischendurch wurden einige von uns immer nach draußen geschickt, um mit Kurose-san ein Interview durchzuführen (Überprüfung der bisherigen Japanischkenntnisse, Fragen über Ängste und Sorgen, Erwartungen, Projektinformationen). Von insgesamt drei Schwierigkeitsgruppen wurde ich zusammen mit Miriam in die 2. Gruppe für die kommende Woche gepackt. Als der Unterricht anschließend zu Ende ging, begaben wir uns zur Willkommensparty im Shoya - Restaurant. Wir nahmen auf dem Boden Platz, wo es viel Freiraum für die Füße gab, und los ging die Party! So leckeres Essen, wie an diesem Abend, hatte ich wirklich seit Ewigkeiten nicht mehr gehabt: Tempura, Fisch, Sojasprossenpfanne, eine Art dicke Nudelsuppe und vieles mehr.

im Shoya Restaurant (Bild von Miriam)

ICYE-Freiwillige
(Bild von ICYE Japan)
Sichtlich erschöpft ging es dann in Richtung Schlafräume, nachdem man sich verabschiedet hatte. Auf Empfehlung aber nahmen wir alle kurz vor dem Schlafengehen noch ein Bad, und zwar im öffentlichen, geschlechtlich getrennten Bereich. Unwohl fühlte ich mich schon dabei, aber sobald ich im Wasser war, verschwand die Scham vor den anderen. Wichtig war vor allem, dass sich jeder vor dem Baden duschen musste und dass sich die Haare nicht im Badewasser befinden durften. Die Schlafräume waren sehr schön eingerichtet mit  Holzfassaden, großen Fenstern und Pergamentpapier. Wir waren zu zehnt und schliefen auf Futons. Das war ein wirklich tolles Erlebnis! Die Nacht war recht kurz, vor allem für diejenigen, die im Nachbarzimmer noch weitergefeiert hatten. Um sieben Uhr hieß es Aufstehen und dann in die Caféteria zum Frühstücken gehen. Besonderheit: Es gab Natto (fermentierte Bohnen in schleimiger Konsistenz) und wer mutig war, hatte davon probiert. Die Bohnen zogen Fäden beim Herausnehmen und allgemein sah es meiner Meinung nach nicht sehr appetitlich aus. Meine Bemerkung dazu: Es schmeckt speziell, aber nicht eklig! Nach dem Frühstück hieß es erstmal Morgensport mit einigen Fitnessübungen. Lustig, lustig, auf welche Ideen einige gekommen waren! Danach ähnliches Programm wie am Tag zuvor: 120 Minuten Japanischunterricht, anschließend Fotosession mit dem gesamten Team und darauf Mittagessen im Ramenrestaurant. Noch völlig satt vom Frühstück, wollte ich nur etwas Leichtes und Kleines essen, doch völliger Irrtum. Meine Portion war von allen die größte (Ramen mit Sojasprossen). Trotz lauter Unterstützung hatte ich nicht einmal die Hälfte geschafft, was sehr schade um das leckere Essen war!

Ramen mit Sojasprossen
So ging das schöne, sehr lustige und erlebnisreiche Wochenende zu Ende. Am Tag darauf sollte das richtige Orientierungscamp für uns Neulinge im ICYE-Büro mit sehr viel Japanischunterricht anfangen.

Ankunft in Tokio am 20.09.2012

Wie lange habe ich schon davon geträumt, japanischen Boden berühren zu können? Der Weg bis zur Erfüllung des Traumes war (vor allem für meinen Körper) mehr als anstrengend und hart. Die erste Lektion bekam ich in Dubai zu spüren, als wir auf unseren Anschlussflug warteten. Miriam (eine Freiwillige aus Deutschland) und ich machten uns auf dem Weg, um für sie einen Raucherort und etwas zum Trinken zu finden, und prompt wurden wir zu einer Smokingbar geschickt. Sichtlich erschöpft von dem ersten Flug fragten wir den Kellner nach Wasser. Er nuschelte irgendeinen Kauderwelsch auf Englisch (seine Intention war: "Wir bieten erst ab einen bestimmten Mindestbestellwert etwas an! (ca.9€)" und daraufhin bot er uns merkwürdiges Essen aus der Speisekarte an. Wir lehnten ab und wollten schnell abhauen. Wenig später kam er doch mit einer Flasche und Gläser an und wir, unwissend und "dumm" in dem Moment, nahmen sein Angebot an. Die Rechnung schlug uns dann aber wirklich ins Gesicht, als wir erfuhren, dass wir für eine Flasche ca. 17€ bezahlen müssten, weil wir den Mindestbestellwert nicht beachtet und zusätzliche Gebühren zu zahlen hatten! Wir versuchten zu handeln und schlussendlich erhielten wir noch eine zweite Wasserflasche für jetzt insgesamt 20€, weil er kein Kleingeld nehmen wollte und meine Zwei-Euro-Stücke mit abwertendem Blick betrachtete. Weiter zum Flug: Mit rauchenden Köpfen warteten wir nun darauf, ins Flugzeug hineinzusteigen. Der Anblick der vielen JapanerInnen beim Einlasstor brachte mich zum Grinsen und die Sorge mit dem Geld verschwand für eine klitzekleine Zeit, denn ...  in den nächsten Stunden sollte ich von der Reiseübelkeit überrumpelt werden. Das Geruckel und Gewackel im Flugzeug fand mein Körper überhaupt toll und schwups zeigte er mir doch, wozu er in der Lage war.  Mir war noch nie so übel wie im Flugzeug. Das einzig Positive am Flug waren meine Sitznachbarinnen, zwei sehr freundliche Japanerinnen, die mir sehr geholfen hatten, nicht bewusstlos zu werden. Bei der Ankunft warteten Maki-san und Kaori-san (ICYE-Staff) dann auf uns, um uns eine Mappe mit Informationen und Geld zu geben. Ich wunderte mich um Letzteres, doch begriff ich sofort den Ernst der Lage als wir in Richtung Bahnhof liefen. Völlig fasziniert von dem Bahnnetz, den Ticketautomaten (Hinweis: Unglaublich, dass ich es geschafft habe, bei dem riesigen Bahnnetz mein richtiges Ticket zu finden) und den Menschenmassen, fuhren wir in Richtung ICYE Büro. Zwischendurch begutachtete ich die Unmengen an Werbung, die an den Decken der Zügen darauf warteten, von den Passanten angeguckt zu werden. Animewerbung hier, Kosmetikwerbung da.

Werbung im Zug (nur ein kleiner Ausschnitt)
Damit auch ja keiner auf die Gleisen fällt!

Was für mich außerdem sehr neu war, war die Tatsache, dass in den Zügen sehr selten geredet wurde. Einige spielten mit ihren Smartphones, andere hörten Musik, schliefen oder starrten einfach nur in die Gegend. Hingegen hörte ich den Zugfahrer minutenlang irgendetwas herunterrasseln, was laut Maki-sans nur die Ansage für die nächste Station sein sollte. Insgesamt dauerte die Zugfahrt 1,5 Stunden und zwischendurch mussten wir meinetwegen eine kleine Pause einlegen, weil es mir weiterhin so schlecht ging. Nach gefühlten etlichen Stunden kamen wir dann endlich im ICYE Büro an, wo auch schon unsere Gastfamilien auf uns warteten. Ich fuhr dann mit meiner Gastmutter und ihren zwei Kindern mit dem Auto nach Hause. Auf dem Weg dahin konnte ich mir ein wenig die Gegend anschauen und über das Nachtleben der Japaner staunen. Der nächste Tag war wirklich nur zum Entspannen und Ausruhen gedacht. Ich fühlte mich wirklich besser und ging mit meiner Gastmutter auch einige Dinge erledigen (Geld wechseln, Einkaufen und so weiter). Die Einkaufsmöglichkeiten sind echt überwältigend hier in Tokio. Riesige Gebäude mit riesigen Einkaufsflächen und nette Parkhausmitarbeiter, die uns zu den Parkplätzen navigierten.

Einkaufsstraße Tokios
Die Straßen Tokios sind übrigens sehr sauber.

Von Elektroniksachen über Kleidung und Hello Kitty Plüschtieren bis hin zu Spezialitäten aus Hokkaido. Das größte Problem an der Sache: der Preis! Hier ist wirklich sehr vieles teuer. Für 1(!) Apfel hätte ich 1,50€ oder 1 Mandarinennetz (ca. 7 Stück) 6€ in einem Supermarkt bezahlen müssen. Im 15. Stock eines Departementstores haben wir uns auch in ein Restaurant gesetzt und etwas sehr Leckeres gegessen:

Es nennt sich Tempura (frittierte Lebensmittel) und es gab auch köstliche Beilagen. Danach sind wir meine Gastgeschwister abholen gegangen und haben den Abend mit dem Nachbarskind und seiner Mutter schön ausklingen lassen.